Richard Wagner – neuer Schutzheiliger der orthodoxen Kirche
Lieben Sie die Klassik so wie die Russen? Sie, musikalische Italiener, und Sie, ironische Briten? Du, scharfsinniger Gallier, und Du, düsterer Germane?
Die leidenschaftlich-selbstlose und hysterische Klassikerliebe ist in Russland schon längst nicht mehr nur die Hingabe an das Schöne. Es ist die Liebe zu etwas Sakrosanktem, nicht in Frage zu Stellendem, das die gesamte Gesellschaft durchzieht – vom Kindergarten bis zur Kunsthochschule, von der Wäscherei bis zum Kulturministerium.
Selbst eine so mächtige Institution wie die Russisch-Orthodoxe Kirche (ROK) brachte sich zur Verteidigung der Klassik in Stellung. Der Vorsitzende der Informationsabteilung der Synode der ROK, Wladimir Legoida, zum Beispiel, lehnte die «Tannhäuser»-Inszenierung von Timofej Kuljabin kategorisch ab – die er selbstverständlich in bester russischer Tradition nicht einmal gesehen hat. Seine Meinung allerdings darf man faktisch als den offiziellen Standpunkt der ROK ansehen.
Hätte der Missbrauch religiöser Symbole die kirchlichen Oberhäupter erregt, hätte mein empörter Verstand das noch irgendwie verstehen können. Herr Legoida allerdings entrüstet sich über künstlerische Aspekte der Inszenierung: «Fachleute, die ...
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Theater heute August/September 2015
Rubrik: Ausland, Seite 40
von Marina Davydova
Die Theaterzeitschrift
im 56. Jahrgang
Gegründet von
Erhard Friedrich und Henning Rischbieter
Herausgeber
Der Theaterverlag – Friedrich Berlin
Redaktion
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Aachen, Grenzlandtheater
14.8. Strindberg, Fräulein Julie
R. Catharina Fillers
22.9. Engler, Noch einmal, aber besser
R. Philip Stemann
Aachen, Theater
17.9. de Velasco, Tigermilch
R. Hanna Müller
18.9. Müller, Der Auftrag.
Erinnerungen an eine Revolution
R. Paul-Georg Dittrich
22.9. Goethe, Faust 1+2#konzentriert
R. Christina Rast
Altenburg/Gera, TPT
19.9. Lorca, Bluthochzeit
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Dunkel und still wie in einem Grab ist es. Plötzlich schneiden gleißend helle Stroboskopblitze einzelne Bilder in die Finsternis: Ein Mann watet durch knöcheltiefes Wasser, trifft auf eine Frau. Im Blitzlichtgewitter und zu anschwellender elektronischer Musik fallen sie wollüstig übereinander her, ein zuckendes triefnasses Knäuel, das sich im Wasser wälzt....
