Der Wolf im Schafspelz
Es ist dieser Moment in Daniela Löffners angstfrei emotionaler Inszenierung von Brian Friels Turgenjew-Dramatisierung «Väter und Söhne», wenn tatsächlich jeder Widerstand bricht. Der pensionierte Militärarzt Wassilij Iwanowitsch Bazarow, ein großer Mann, der sich sehr klein fühlt und das hinter vielen Worten zu verbergen sucht, ist verstummt. Sein Sohn ist tot, Jewgeni, der jedes Gefühl verweigernde Nihilist, ein selbsternannter Ausnahmemensch, den er nicht begriff und der ihn verachtete.
Aber «irgend etwas stimmt nicht, wenn ein Vater seinen Sohn begräbt, nicht? Eine Störung der richtigen Ordnung der Dinge, nicht? So etwas dürfte nicht passieren, nicht?» Verklammert in die Hände seines Gegenübers, Arkadij, der beste Freund des toten Sohns, ringt er um Fassung. Dann kommt seine Frau, die er selbst adressiert, wenn sie gar nicht da ist – «Hab ich nicht Recht, mein Schatz?» –, sie ist im Schmerz versteinert und er fällt zurück in eine fürsorgliche Munterkeit, hilft ihr in den Stuhl und greift mit seinen langen Armen nach diesem klitzekleinen Instrument, der Ukulele, beugt den langen Rücken, bis er auf Kopfhöhe mit ihr ist, und beginnt zu singen, so zögernd und stockend und ...
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Theater heute Mai 2016
Rubrik: Theatertreffen Berlin, Seite 29
von Barbara Burckhardt
TH Woran schreiben Sie gerade?
Thomas Melle Eine ganze Menge. Ein Drehbuch aus meinen beiden Romanen «Sickster» und «3.000 Euro» für eine Produktionsfirma, und es sieht alles danach aus, als würde es sogar verfilmt werden. Dann ein neues Buch, das im nächsten Herbst erscheint – weder Roman noch Autobiografie, etwas dazwischen, eine Art Bekenntnisbericht. Und noch...
Manche bezeichnen Konstantin Bogomolow als billigen Schocker. Junge Kritiker sehen seine Inszenierungen drei bis vier Mal und kennen jede Szene. Konservative Dozenten an den Theaterhochschulen verschrecken ihre Studenten allein mit seinem Namen, während wiederum einige Mitglieder des Polit-Establishments (und besonders deren Glamour-Ehefrauen) ein Wahnsinnsgeld...
Möchte man Tschechow inszenieren, kommt man nicht um die Frage herum, wie man Langeweile zeigt, ohne selbst langweilig zu werden. «Iwanow» hat schließlich einen Helden im Zentrum, der noch wehleidiger und passiver ist als die vielen anderen Tschechow-Figuren, die sich als überflüssige Menschen in der Provinz herumplagen. Ist das doch noch tragisch oder schon wieder...
