International: Greta Thunberg ist überall
Im Nachmittagsstau auf der repräsentativen Avenida Paulista tanzen zwei Frauen und drei Männer; das Jazz-Quartett, das sie begleitet, spielt an gegen Hupen und Motoren. So richtig gefährlich ist die kleine Show zwar nicht, denn ohnehin ist Stop-and-Go die Höchstgeschwindigkeit um diese Tageszeit – und doch ist das Spektakel programmatisch gedacht: als öffentliche Störung des Alltags.
Bloß nicht nachlassen, nicht Sich-Einrichten als Opfer im Kulturkampf!
Denn der ist mit größtmöglicher Schärfe ausgebrochen in den ersten Monaten der Präsidentschaft von Jair Bolsonaro, der ja schon im Wahlkampf allen, die nicht so denken wie er, mit schärfsten Sanktionen drohte: den people of colour (die immerhin die Mehrheit stellen im kulturell extrem durchmischten Land und sich in großen Teilen stolz als «preto», als «schwarz» definieren), den Homosexuellen, der abhängig beschäftigten Bevölkerung, den Frauen – und nicht zuletzt den Künstlerinnen und Künstlern im Lande. Die «Mostra Internacional do Teatro» in Sao Paulo, im abkürzungsvernarrten Brasilien «MITsp» genannt, hat in Südamerikas größter und kulturell tendenziell reichster Stadt mit der sechsten Ausgabe die schwierigste durchlebt.
Kult ...
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Theater heute Mai 2019
Rubrik: Magazin, Seite 76
von Michael Laages
Die Tür im Eisernen Vorhang knallt, Niels Bormann kommt auf die Gorki-Bühne und sagt zur Begrüßung: «Entschuldigung». Haha, er ist wieder da: Vor zehn Jahren erfand sich der 45-jährige Schauspieler in der ersten israelisch-deutschen Koproduktion der Theatermacherin Yael Ronen als ultradeutscher, beflissen-klemmiger Wiedergutmachungsstreber, der zwar unter seinem...
Corinne Orlowski Wie sind Sie mit Schleef in Berührung gekommen?
Ulrich Rasche Ich habe viele Inszenierungen von Schleef gesehen: «Wessis in Weimar» am Berliner Ensemble, «Salome» in Düsseldorf, das «Sportstück» und «Verratenes Volk» in Berlin; aber auch die anderen Inszenierungen kenne ich aus dem Archiv über Susan Todd. Und ich habe Schleef einmal persönlich...
Bei den letzten Salzburger Festspielen sprang Philipp Hochmair kurzfristig als Jedermann für den erkrankten Tobias Moretti ein und begeisterte die Zuschauer auf dem Domplatz. Seine Art, den jovial-arroganten, am Ende tief einsamen reichen Mann im Sterben zu geben, gefiel – und doch wusste man: Da war mehr als dieser Mainstream.
Diese Figur war Hochmair, der sie...
