Krieg ohne Großes und Ganzes
Mein Bruder Tom» ist ein Stück, das verschiedene Perspektiven rund um diesen Bruder beschreibt, der einen der vielen Kriege, um die es gehen könnte, nicht überlebt hat. Keines der disparaten «Paare» Ellen und Gloria, Sophie und Robert, Tom und Sky, Laif und Helena scheint mit sich selbst oder dem jeweils anderen besonders viel zu tun zu haben.
Was sie im Leben hält, ist ein brüchiger Faden, etwas, an das sie sich, wie auf einer Mondlandschaft oder nach jedem denkbaren Super-GAU die Erde betrachtend, flüchtig erinnern, ohne dieser Erinnerung aber tatsächlich habhaft zu werden oder sie auf ein (Lebens-)Ziel hin beschreiben zu können. Die Autorin, Dramaturgin und Regisseurin Bettina Erasmy betrachtet diese Figuren und folgt ihnen wie hinter Glas. Leidenschaft, Trauer, Freude sind zu abstrakten Größen geworden, die einzigen Reize, die Reaktionen zeitigen, sind Attacken auf die sowieso allumfassende körperliche Versehrtheit der Figuren.
Ellen und Gloria unterziehen sich einem Kriegstauglichkeitstest, der an das erstmals 1962 durchgeführte Milgram-Experiment erinnert, welches entwickelt wurde, um die Bereitschaft durchschnittlicher Personen zu testen, autoritären Anweisungen auch dann ...
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Theater heute Jahrbuch 2007
Rubrik: Neue Stücke der neuen Spielzeit, Seite 151
von Susanne Winnacker
Frotzi ist HermaphroditIn. Ihr wiederkehrendes Problem: Sie wacht morgens auf, und ihr Geschlecht ist weg. Zum Glück trifft sie auf ihrer Suche nach einer symbiotischen Beziehung auf Nobbi, einen freundlichen älteren Werwolf («kein problem ich steh dazu»). Man kommt sich näher («wir haben sex und seine äußere Körperform ändert sich ständig»), sehr zum Entsetzen von...
Was für eine Tragödin! Am Leib von Nina Hoss als Medea wird das Schwarz wieder zu dem, was es einmal war: die Farbe des Todes, die Farbe der archaischen Landbevölkerung, die Farbe des großen Nein zur bunten Mittelstandswelt des in seiner Berliner Variante sehr gegenwärtig ausschauenden Korinth. Ausgerechnet die Barbarin aus dem halbwilden Kolchis ist unter den...
Wie das denn gehen solle, jammere ich der Freundin telefonisch ins Ohr – ein Geheimnis entschlüsseln, ein Rezept für Erfolg analysieren. Und nein, nein sagen, ginge in dem Falle gar nicht, schließlich wolle man vor der Herausforderung nicht kneifen, und es sei ja auch eine Ehre, und – stimmt – man fühle sich in seiner Eitelkeit geschmeichelt – und jetzt säße man...
