Equilibrist der Aussparung
Unglaublicherweise liefern Familienaufstellungen noch immer die besten Daten, um herauszufinden, wer wir sind. Wir erfahren etwas über die unbekannten Bedingungen der Möglichkeit, andere wahrzunehmen und mit anderen zusammenzusein. So unpersönlich, wie Fosse die Sache in seinem neuen Stück «Besuch» angeht, wird daraus rasch ein Experiment mit Laborcharakter. Wenige formelhafte Informationen zeichnen eine familiäre Situation mit einer unentschärften Bombe im Zentrum. Die Situation wird in einen abgeschlossenen Raum versetzt und sich selbst überlassen.
Man nehme eine Mutter mit ihren zwei erwachsenen Kindern verschiedenen Geschlechts und einen Mann, den Freund der Mutter, der nicht der Vater der Kinder ist, und stelle sie in eine Wohnung vor die Türe zum Kinderzimmer. Im Kinderzimmer braut sich etwas zusammen. Die Türe klappt gelegentlich auf und zu und setzt Schwaden von Angst frei. Was sich dort genau abgespielt hat oder noch immer abspielt, lässt sich nicht erkennen. Das Licht trifft nur Umrisse, wir sehen nur die für das Experiment nötigen Konturen.
Im Kinderzimmer lebt das jetzt bald neunzehnjährige Mädchen allein in einem regressiven Zustand, sie vergnügt sich daran, dass sie ...
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Das Jahr 2005 war für Lukas Bärfuss in mancherlei Hinsicht ein bedeutendes Jahr: Er wurde Vater, wurde mit seinem Stück «Der Bus (Das Zeug einer Heiligen)» zum Dramatiker des Jahres gewählt und mit einem früheren, «Die sexuellen Neurosen unserer Eltern», in siebzehn Sprachen übersetzt. Gerade deshalb hat er bei der Arbeit an seinem aktuellen Stück »Die Probe» das...
Und wie halten es die Dramaturgen in der nächsten Saison mit ihren Lieblingsstücken? Eher Textflächen gefällig oder Figurendramatik, soll wieder erzählt werden, und wenn ja, von was? Ist Handlungsstärke gefragt, oder lasten die Zustände auf den Menschen? Die neuen Regeln der Saison – Stücke von Sergi Belbel, Lukas Bärfuss, Dimitré Dinev, Reto Finger, Jon Fosse,...
Die Berliner Tageszeitung «Germania» veröffentlicht am 9. August 1930 einen Aufsatz der jungen Dramatikerin Marieluise Fleißer. Die durch Skandale um die Uraufführungen ihrer Stücke «Fegefeuer in Ingolstadt»( 1926) und «Pioniere in Ingolstadt» (1928) bekannt gewordene Dramatikerin porträtiert zwei Jahre nach der Einführung des Tonfilms auf ungemein anrührende Weise...
