Autonome Pilze
Gab es jemals so ein sauberes, neu sein wollendes Bühnenbild von Anna Viebrock? Die Rahmen und Portale des Kastens sind frisch gestrichen, zwischen Hellblau und Türkis laviert die eine Farbe, zum sanften Crème will die andere. Nur ein bisschen dunkles Holz bleibt aus dem alten Leben übrig. Und die Szenerie ist ungewohnt ausreichend ausgeleuchtet.
Trotz der offensiv intakten Farbschicht melden sich ein paar Störungen in dieser Aufgeräumtheit: Leicht erhöht ist hinten ein dysfunktionales Büro mit altem Computer und ausrangierten Stühlen zu sehen, an den Seiten verwischen Laternen sowie das Fassadenhafte der Wände das Innen und das Außen.
Solche Unterscheidungsprobleme und Zerfallserscheinungen können im Leben eine psychische Krankheit ankündigen. In diesem Theater spricht daraus aber der Traum, nicht der Vernunft allein zu gehorchen, sich nicht der Ideologie der Gesundoptimierten zu unterwerfen. «44 Harmonies from Apartment House 1776» forciert das Ringen der Kunst – in diesem Fall: der Musik – mit den Ansprüchen oder Zumutungen der verwalteten Welt geradezu schematisch: Selten so einen deutlichen Marthaler gesehen. Das hat mit dem Raum zu tun. Mit der Stadt. Und mit enttäuschter ...
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Theater heute Februar 2019
Rubrik: Aufführungen, Seite 19
von Tobi Müller
Im Wasserbassin stampfen, treten, stöhnen und schreien vier Schauspielerinnen und vier Schauspieler. Die Männer treiben die Frauen an: «Come on!», schreien sie, «weiter!» Mit Kraft, Zorn und Lebenswillen feuern sie die Kranken an, feuern sie an in ihrem Kampf gegen den Krebs. In der dunklen Weite des Bockenheimer Depots sind nur die Leiber der Spieler*innen...
In einer Spielzeit, die der Frage «Was heißt spielen?» gewidmet ist, kommt man um Dostojewskij kaum herum. Wer wüsste besser als ein jahrelang Spielsüchtiger, was es heißt, immer wieder am Abgrund zu stehen, alles zu riskieren und zu verlieren bis auf den buchstäblich letzten Heller, ja, sogar das eigene, noch ungeschriebene Werk zum Einsatz zu machen? Bei seinem...
Einer der letzten Eindrücke von Maria Magdalena Ludewig, bei der Eröffnung der Wiesbaden Biennale 2018 (s. TH 10/2018): Fiebrig, blass, hochenergetisch federte sie auf dem Grün, über das gerade im Auftrag des Künstlers Santiago Sierra ein Trecker gerast war, um einen mächtigen Zaun zu entfalten. Die Eröffnung der Biennale war ein veritables Feuerwerk, sie fand in...
