Neue Stücke
Von den Bankenskandalen des Jetzt in die eigene qualvolle Biografie. An den Münchner Kammerspielen inszeniert Johan Simons «Die Winterreise», musikalisch begleitet von Christoph Homberger, Martin Schütz und Jan Czajkowski. Das große Ganze mit dem Privaten zusammenzudenken, ist etwas, was den Protagonisten in Cristin Königs Farce «Die Wohngemeinschaft» am Maxim Gorki Theater nie in den Sinn käme.
Ihr «Leben auf Pump» ist ausschließlich auf sich selbst bezogen, wie das der beiden Paare in Anne Rabes Urlaubsdrama «Ohne Netz», denen sogar die eigenen Kinder aus den narzisstischen Augen geraten. In Gießen inszeniert Ragna Kirck. Über die Einsamkeit und ihre Perfidien erzählt David Gieselmanns «Falscher Hase», ein absurdes Rededuell, in das in Bielefeld Christian Schlüter eine alte Frau und ihren Nachbarn, den Polizisten, schickt. In Mannheim rückt Kathrin Röggla den Verständigungsnotstand in einen übergreifenderen Kontext: «die unvermeidlichen» sind Simultanübersetzer auf internationalen Konferenzen, denen Marcus Lobbes in ihre Kabinen folgt.
In Weimar sendet Wolfram Lotz «Einige Nachrichten an das All», Unterstützung bei seiner existenziellen Sinnsuche im leeren Kosmos gewährt Annette ...
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Theater heute Februar 2011
Rubrik: Service, Seite 54
von
1810– Kleist war seit Anfang des Jahres in Berlin und schickte «Das Käthchen von Heilbronn» noch einmal an August Wilhelm Iffland, Direktor des Berliner Nationaltheaters. Kleist hegte immer noch die Hoffnung, dass Iffland sein Stück aufführen würde. Daraus wurde nichts. Iffland demonstrierte Desinteresse, und Kleist revanchierte sich, indem er auf Ifflands...
Schon im Herbst gab es in Dresden die von Armin Petras und Jens Groß eingerichtete
Uraufführung von Uwe Tellkamps «Der Turm». Dann zog Wiesbaden mit John von Düffels
Version nach. Während man sich in Dresden verständlicherweise auf die Künstler- und Ver-
leger- und damit auch auf die subkutane gesellschaftspolitische Struktur der DDR konzentrierte (siehe TH 11/10),...
Jede Zeit liebt ihre Schauspieler auch für die Sprachmusik. Alexander Moissi tremoliert am Rande der Erschöpfung, Will Quadfliegs Monologe klingen aus tiefer Brust empor, Bruno Ganz stanzt die Worte, als folge er einem unregelmäßigen Taktstock, und Sophie Rois hustet Noise, wenn ihr Kehlkopf mal wieder zu streiken vorgibt. Auch die letzten Regisseure, die noch als...
