Im Sturzflug
Es war wohl nur eine Frage der Zeit, wann sich Viktor Bodó und seine Szputnik Shipping Company, das russische Raumschiff im Namen, Michail Bulgakows Roman «Der Meister und Margarita» zuwenden würden. Für Voland, den handlungsantreibenden Satan, ist Fliegen kein Problem. Als schwarzer Magier landet er im Moskau der 1930er Jahre und bringt durch seine Teufeleien den absurd-rationalen Alltag von Stalins Neuen Menschen zum Tanzen. Unter Stalins Diktatur im Giftschrank, wurde das Buch erst 1967, lange nach Bulgakows Tod, im Ostblock publiziert und zum Mythos.
In Ungarn, wo staatliches Geschmacksdiktat und Zensur wieder salonfähig werden, scheint sich der Mythos bei der jungen Generation
derzeit neu zu beleben. Zuhause in Budapest durch die neue Kulturpolitik in ihrer Existenz bedroht, haben Bodó und seine freie Truppe mit dem Projekt am Schauspielhaus Graz angedockt, zur nunmehr fünften Koproduktion unter der Intendanz von Anna Badora.
Allerdings: Kann die zeithistorisch anspielungsreiche Satire hier – genauso in Berlin
oder Düsseldorf – überhaupt zünden? Schon bei Pascal Raichs Bühne beginnt das Problem.
Das aufgeschnittene Moskowiter Wohnhaus, das er auf die Drehbühne gebaut hat, ...
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Theater heute Februar 2011
Rubrik: Chronik, Seite 50
von Andres Müry
Jede Zeit liebt ihre Schauspieler auch für die Sprachmusik. Alexander Moissi tremoliert am Rande der Erschöpfung, Will Quadfliegs Monologe klingen aus tiefer Brust empor, Bruno Ganz stanzt die Worte, als folge er einem unregelmäßigen Taktstock, und Sophie Rois hustet Noise, wenn ihr Kehlkopf mal wieder zu streiken vorgibt. Auch die letzten Regisseure, die noch als...
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