Da steht er nun
Der Künstler, den wir heute ehren, hat sich hier in Hamburg auf eine so eigene wie rätselhafte Weise vorgestellt – ganz ungerührt und in sich ruhend schien sie, diese Vorstellung, und hat doch einen großen Teil des Premierenpublikums so empört, dass man es mit der Angst bekam. Denn eine so lautstarke Wildheit gönnen sich die Anrainer der Elbvororte ja nicht alle Tage.
Die Ruhe, die einen solchen Sturm hervorrief, trug den Namen «Liliom». Wir wissen es alle, und wir erinnern uns genau. Es war Anfang Dezember 2000.
Ich sehe sie noch vor mir, diese fast leere Thalheimer-Bühne, und spüre noch, wie sie ihre ersten Signale in den Raum schickte. Keine Kirmes-Folklore will uns unterhalten. Niemand wird «Komm auf die Schaukel, Luise» singen, um uns davon abzulenken, dass hier ein Volksstück so radikalisiert wird, dass die Nähe zu Horváth aufscheint. An einer Wand der Griff eines Messers, und es ist, als warte es auf Woyzeck.
Es kommt aber sein Soul Brother Liliom, das heißt: Peter Kurth, dieser Liliom, kommt nicht. Er steht gleich da und starrt und wartet und bewegt sich nicht. Ist gleich das Rätsel, das er auch bleibt: Strähnig das Haar, massiv der Körper, und niemand weiß, was in dem ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Mit dem Monologfestival am Schauspielhaus Zürich ging es 2001 los. Damals wurde eine einsame, vergessene Figur der amerikanischen Literatur für die Bühne entdeckt. «Bartleby, der Schreiber» – 1853 von Herman Melville geschrieben und zunächst anonym veröffentlicht – berichtet von einem störrischen Außenseiter und Leistungsverweigerer in einer Kanzlei der New Yorker...
Dieser Brick kann einem schon Leid tun. Gestern erst hat sich der Sportreporter den Knöchel gebrochen, heute muss er zum Geburtstag des Vaters antreten, zu dem die ganze Familie samt Pfarrer und Doktor geladen ist. Da stürzt, kurz vor Torte, Sekt und Ständchen, Gattin Maggie ins Gästezimmer. Weil sie sich auf einen Schokokeks gesetzt hat und das kleine Rosafarbene...
Mehr Patriotismus!» wird jetzt allenthalben von uns verlangt, und es klingt, als sei unser gutes altes Abendland deutscher Nation schwer in der Defensive. Ringsum – und mittendrin – nichts als Parallelgesellschaften und Multikulti, ganz zu schweigen von der islamistischen, terroristischen, fundamentalistischen Bedrohung. Die Gesellschaft, heißt es von Seiten der...
