Magdeburg: Politpointillismus
Man muss genau hinschauen, wenn man der Kommunalpolitik ihren eigenen Heroismus ablesen will. Etwa so wie Rimini Protokoll anno 2005 in ihrer Schiller-Adaption «Wallenstein», in der sie den von eigenen Mannen gestürzten Stadtrat Dr. Sven Joachim Otto als Wiedergänger des kaiserlichen Generals vorstellten. Noch tiefer im lokalen Handgemenge erkennt man das Heldentum der Fußsoldaten, nicht in der Ausnahmesituation, sondern im Regelfall: in alltäglichen entsagungsvollen Paragraphenritten, in kräftezehrenden Sitzungsstunden mit viel Gezerre um Allianzen.
In diesen Niederungen ist Kai Ivo Baulitz’ Politsatire «Die Fraktion» angesiedelt. Auch hinter Baulitz’ Werk liegt, ähnlich wie bei Rimini Protokoll, Recherchearbeit. Parlamentsakten haben er und das Magdeburger Team gewälzt, Interviews geführt und die ältere und neuere Stadthistorie Magdeburgs untersucht. Einige Ergebnisse dieser Arbeit vermittelt der begleitende informative Audio-Walk «Hört auf diese Stadt!». In der fiktionalen Verarbeitung hat sich Baulitz dann von den konkreten Bestandsaufnahmen gelöst und eine leichte, kluge Parabel auf demokratische Basisarbeit als solche verfasst.
Die Errichtung einer Stele schlägt sein ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute April 2013
Rubrik: Chronik, Seite 60
von Christian Rakow
«Jetzt sind wir endlich in einer Geschichte», freut sich Leila. «Ich bin da.» Aber Leila täuscht sich, die Geschichte läuft schon längst: Möchtegern-Zuhälter Lee hat seinen Stiefvater (Andreas Krämer) erstochen, ist geflohen und hat das stille Mädchen auf seine Flucht mitgenommen, weil es nicht schnell genug Nein gesagt hat. Jetzt sitzen sie am Fluss, schauen...
Mit der tiefen Ergriffenheit des genialischen Künstlers – vor allem von sich selbst – schwadroniert der Maler Schwarz eingangs über Beinschwung, Hüftlinie und weitere bewährte Vorzüge seines Modells Lulu. Natürlich zeigt er dabei beharrlich auf einen leeren Bilderrahmen. Lulu als von keines Gedankens Blässe anzukränkelnde Projektionsfläche: so weit die gängige...
Nebel im Olivenhain und Nebel im Gemüt. Endlose Minuten schleichen wir mit Merle durch das südfranzösische Ferienhaus ihres älteren Geliebten, in dem es trotz Sommerhitze ordentlich fröstelt. Weil dieser Geliebte Romuald mit seiner Anreise tagelang auf sich warten lässt, muss Merle mit seinen pubertierenden, wohlstandsverzogen dahindämmernden Kindern allein klar...
