Abgrund der Ernüchterung
Geschlossen» signalisieren wuchtig schwarze Lettern auf dem Vorhang. Doch die Drohgebärde gilt, gelegentlich aufflackernden Prophezeiungen zum Trotz, nicht dem liebenswert winzigen Theaterchen mit seinen knapp 300 Plätzen zu Füßen der Heideksburg. Gemeint ist ein ehemaliger Schweinestall, irgendwo in einem gottverlassenen östlichen Landstrich, in Oliver Bukowskis Nachwendedrama «Gäste» mit Fleiß und Mühe zum «Hotel» umfunktioniert.
Zum bitteren Ende wird der Status quo wiederum vermeldet. Und diesmal ist es das Todesurteil.
Keine blühende Landschaft, keine florierende Kneipe, keine besserverdienenden landlufthungrigen Touristenschwärme. Vorbei die Hoffnung, vorbei auch die mit zusammengebissenen Zähnen verteidigte Illusion, der rechte Eifer zahle sich schon aus. Vorbei die sich aller Wirklichkeitserfahrung borniert verweigernde Selbsttäuschung, vor deren zerstörerischem Gift seine zuweilen unbelehrbaren Landsleute immer und immer wieder zu warnen Bukowski nicht müde wird. «Das ist jetzt so, die Unbeweglichen sind gleich mausetot. Wir sind beweglich», beteuert Erich, Hotelier in spe, selbstbewusst seinem zierlichen Frauchen. Welch ein Irrtum.
Doch noch scheint alles möglich. In ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
So ließe sich ein gepflegter Abend für Architekten an: «Lieber Kino als Essen». Verköstigungen sind gut, doch kalorienfrei ist besser. Leider trifft sich der filmische Geschmack von Aniela und Hugo nicht im Geringsten mit den Vorlieben des Dritten im Bunde: Jannis ist Statiker und Hobby-Cineast mit einem ausgeprägten Sinn für gehobenen Splatter à la Tarantino,...
Die Szene sieht stark nach Geisterbahn aus und könnte so auch als «Haunted House» in Disneyland durchgehen. Oder als Setting eines gruseligen Computerspiels. Ein langer Tisch zieht sich über die volle Bühnenbreite, an dessen oberen Enden zwei grotesk aussehende fette Kinder sitzen – links ein in schrilles Gelb gewandetes Mädchen (Corinna Beilharz) und gegenüber ein...
Kann man Äpfel mit Birnen vergleichen? Natürlich kann man. In beiden Fällen handelt es sich um Früchte, die aus Schale, Fruchtfleisch und einem Gehäuse bestehen. Wie aber steht es um Nazi-Deutschland und die Vereinigten Staaten von Amerika nach den Anschlägen des 11. September? Ist auch hier eine sinnvolle Vergleichsbasis, ein tertium comparationis gegeben?
Talbot...
