So much Geschlechtertrouble!

In Richard Eyres Historientheaterschinken «Stage Beauty» wird nebenbei die Entstehungsstunde des Einfühlungstheaters neu erfunden

Theater heute - Logo

In einer der nettesten Szenen des Films sind der Held und die Heldin aufs Land geflohen, versuchen dort im milchigen Gegenlicht Sex zu haben – und taumeln dabei von Leidenschaftsanfall zu Lachattacke. Wer spielt den Mann und wer die Frau? Das schöne Pärchen konkurriert nicht nur erbittert um große Bühnenrollen, sondern begehrt auch zwischen weißen Cottage-Laken dasselbe Geschlecht: Der Londoner Theaterstar Kynaston (Billy Cudrup), der hier von seiner strahlenden Garderobiere Maria (Claire Danes) verführt wird, ist professionell eine Dame und eigentlich schwul.

Gendertrouble in Shakespeare-Land, das ist, auf Shakespeares Komödien bezogen, ein alter Hut. Dass die Frauenrollen im elisabethanischen Theater von Männern gespielt wurden, doppelte reizvoll die Bühnenstoff-Verhältnisse. Richard Eyres Historienschinken «Stage Beauty» setzt dort ein, wo in den Londoner Globes das Männermonopol fällt. Jetzt wittert die unerfahrene Maria ihre große Chance – und die erfolgsverwöhnte Diva Kynaston eine Katastrophe. Persönlich, aber auch ästhetisch: «Das ist keine Kunst, wenn Frauen Frauen spielen!» 

Wie es der kleinen Garderobiere gelingt, den großen Desdemona-Darsteller zu ihrem Lehrer und ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Oktober 2005
Rubrik: Medien/TV, Seite 64
von Eva Behrendt

Vergriffen
Weitere Beiträge
Probebohrungen auf Neuland

Was macht man als neu angetretene Theaterleiterin mit einem Foyer, das eigentlich überhaupt keines ist und auch niemals eins werden wird, da es nicht zu diesem Zweck gebaut wurde? Das «Juta», einer der beiden Spielorte des FFT (Forum Freies Theater), besitzt die zugige Anmut öffentlicher Amtsstuben und großräumiger Wartehallen. Bescheiden fügt es sich in die zweite...

Jenseits der Posen

Fritz hat Christine an die Wand gedrückt. Rums. Keuchend küsst er sie hysterisch ab, klebt sich an ihren Körper, der wie leblos alles über sich ergehen lässt. Wild wirft er ihre Arme nach oben über ihren Kopf, doch statt in rasende Verzückung zu verfallen, lässt sie ihre Arme teilnahmslos und schlaff einfach wieder an ihrem Körper nach unten sinken. Fast schon...

Provinz im Wortsinn

Als Anfang Juni aus Meiningen die Nachricht kam, der Vertrag des Intendanten Res Bosshart werde nicht nur im Jahr 2007 nicht verlängert, sondern der Theaterchef müsse sogar vorzeitig und zwar bitte sofort gehen, war eigentlich niemand so richtig überrascht. Meiningen und Bosshart: Das war seit Beginn der «Zusammenarbeit» in der Spielzeit 2002/03 eine ungute...