Den Geist verneint
Der Studierzimmermonolog aus Goethes «Faust» braucht kein gotisches Gewölbe mehr, um jenes Gruftgefühl zu vermitteln, das sich einem Doktor der Philosophie, Juristerei, Medizin und leider auch der Theologie nach Jahr einen der intellektuellen Überzüchtung wie Blei aufs Gemüt legen kann. Heute stellt man sich schlicht Studenten vor, wie sie sich in breiten Unibibliotheks-Fensterfronten den lieben langen Tag selbst bespiegeln und befragen, was bloß, was, die Bologna-Halbgelehrtenwelt im Innersten zusammenhält.
Das Theater Freiburg hat sechs Exemplare dieser Bildungsspezies zusammen mit Goethes beiden «Faust»-Teilen in einen gläsernen Käfig gesperrt und geschaut, was das Experiment bringt. Und das ist weniger, als Regisseur Marcus Lobbes gewollt haben kann.
Eingangs kriechen die schaumstoffgepolsterten Akteure (Johanna Eiworth, Charlotte Müller, Marie Bonnet, Frank Albrecht, Martin Weigel, Mathias Lodd) durch einen Bodenspalt in den hängenden Glaswürfel, ringeln sich bücherwürmergleich am Boden, bilden einen bunten «Faust»-Zitatehaufen, recken mithin den Kopf aus diesem Meer des Irrtums, bleiben aber meilenweit davon entfernt, Individuum oder Figur zu werden, ein Faust, Mephisto, eine ...
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Theater heute Oktober 2012
Rubrik: Chronik: Freiburg Theater, Seite 52
von Stephan Reuter
Da hatte ja einer jetzt eine ganz tolle Idee, zumindest fürs Theater. Herr Kehlmann hat gesagt: Alle Klassiker nur noch einmal inszenieren, und zwar richtig geradeaus, so wie es da steht. Zum Beispiel Hamlet: Stuhl, Totenkopf, Ophelia im Wasser, gucken, sprechen, fertig. In die Box, Siegel drauf und ab durch Deutschland. Die Leute sehen überall dasselbe und können...
3./Mittwoch
20.15, ARD: Der Turm Zweiteiliger Fernsehfilm (2012) nach Uwe Tellkamp, mit Jan Josef Liefers, Claudia Michelsen, Götz Schubert, Nadja Uhl, Steffi Kühnert u.a., Regie Christian Schwochow 2. Teil am Donnerstag, 4., 20.15 Uhr
0.15, 3sat: Die Sehnsucht der Veronika Voss Spielfilm (1982) von Rainer Werner Fassbinder mit Rosel Zech, Armin Mueller-Stahl, Hilmar...
Maria Becker, links als Elisabeth in «Maria Stuart» 1986, war eine «Königin im Formenreich», so der Kritiker Gerhard Stadelmaier: «Die Formen, die sie unnachahmlich herstellte, wurden ihr eigentlich mehr zu Partnern als die jeweiligen Kollegen, mit denen sie auftrat.
Es ging ihr, der herb Schönen, der mokant Unnahbaren, szenisch nichts wirklich nahe.» Man hat sie...
