Die mit dem Wolf tanzen
Im Schummerlicht erobern Indianer die leere Zuschauertribüne, während wir auf dem Bühnenboden sitzen und gebannt zuschauen. Nebelschwaden ziehen durch den Raum. Wie ist es dazu gekommen?
Eigentlich hat alles ganz harmlos begonnen – mit einem Vortrag über eine Reise in die verlorenen Dörfer am Rande der Braunkohletagebau-Gebiete der ostsächsischen Lausitz. Fünf junge Studierende aus Hildesheim sitzen in «Steppengesänge» mit einem Beamer und einer Leinwand auf der Bühne, eine weibliche Stimme aus dem Off erzählt die Geschichte.
Erste Brüche der Realität entstehen, als der Vortrag vom Band und das Geschehen auf der Bühne für Momente nicht zusammenpassen, die Frauenstimme auf kurze Video-Einspieler Bezug nimmt, während die Leinwand dunkel bleibt – und die Stimme Requisiten auf der Bühne anmoderiert, die gar nicht da sind, einen Baumstumpf an der Rampe zum Beispiel. Dann beginnt der Vortrag von vorne, die Reise in die verlorenen Dörfer der Lausitz, diesmal mit Einspielern, aber in Nuancen anders erzählt. Während die Stimme von einer unheimlichen Nacht auf einem verlassenen Dorfplatz berichtet, verlässt eine der Performerinnen die Bühne und kommt zurück – mit einer schwarzen, ...
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Theater heute Januar 2015
Rubrik: Magazin, Seite 65
von Alexander Kohlmann
Es überrascht doch stets von Neuem, wie schnell noch immer, kaum zupft mal
jemand die gewohnten Sehmuster ein wenig auseinander, die Aufregung anschwillt und Bannworte wie «artifiziell», «formal» oder gar «Kunst» (gemeint ist die bildende oder installative) mehr oder weniger vorwurfsvoll durchs Parkett schwirren. Als sie vor einem Jahr Marieluise Fleißers...
Als der Berliner Senat vor fast sechs Jahren vorschlug, aufgrund verhältnismäßig hoher Gewinne und Rücklagen die Subventionen für das Berliner Ensemble zu senken, drohte Claus Peymann im Boulevard-Blatt «B.Z.»: «Der Senat hat eine völlig verfehlte Subventionspolitik, das ist ein Irrenhaus. Aber ich hoffe, dass die Vernunft dort bald wieder einkehrt. Sonst bin ich...
Vielleicht verlaufen solche Lebensgeschichten tatsächlich so notdürftig. Seit Jahren geht die Ungarin Anna (Annamaria Lang) in Zürich anschaffen. Ihr eigener Bruder hat sie in die Prostitutionsfalle gelockt, mit Kokain und Geldversprechen. Jetzt bedient Anna ihren Freund Fritz (Fritz Fenne) auf dem Sofa. Beide sind splitternackt, ansonsten herrscht keine...
