Die Angela und der Sigmar
Hat die Dame wirklich (schon) das Zeug zur Theaterfigur? Sicher, das, was man ihr nachsagt, ist wie aus dem Shakespeareschen Charakter-Fundus: «Die Raffinierte», «Königin der Macht», «Die heißkalte Frau», «Die Unterschätzte», gar eine «Lady Eisenherz» soll sie ja sein. Und doch sagen irgendwie alle «Mutti» zu ihr. Wie geht das zusammen? Und vor allem: Wie prickelnd kann diese Jekyll-Hyde-Veranlagung auf der Bühne sein?
Gar nicht prickelnd, eher bemüht und im platten Sinn unterhaltsam.
Zumindest in dem Versuch, den Juli Zeh und Charlotte Roos zu verantworten haben: Angela Merkel erscheint da als heftig karikierter Dramen-Star inmitten halbdebiler und profilierungssüchtiger Kabinetts- und Parteikollegen, als zentraler Fixstern auf
einer Milchstraße ranziger Polit-Kalauer. Das Stückchen «Mutti», angelegt irgendwo zwischen Kabarett-Nummernrevue und Therapie-Klamotte, uraufgeführt bei den Ruhrfestspielen und später am koproduzierenden Nationaltheater Weimar vor einem heiter-glucksenden Publikum ins Repertoire geschickt, ist nichts anderes als der betulich-harmlose Versuch, auf der Höhe der Zeit zu balancieren. Schließlich fallen aber alle tief: die Autorinnen, Hasko Weber als Regisseur ...
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Theater heute Oktober 2014
Rubrik: Chronik Weimar, Seite 69
von Bernd Noack
Truppen wie Hollandia (auf dem Foto der verstorbene Jeroen Willems in «Zwei Stimmen») haben in den 90er Jahren eine versteinerte Theaterstruktur lustvoll durcheinandergewirbelt. Heute steht das holländische Modell vor den Trümmern einer brutalen Sparpolitik. Eine Rede zur Eröffnung des Niederländischen Theatertreffens von Thomas Oberender.
Wie geht es weiter mit...
Bernd Noack Das Drama der Stunde ist «Die letzten Tage der Menschheit» von Karl Kraus. In Wien kann man gleich an zwei Häusern Neuinszenierungen sehen. Kraus selber sagte es praktisch voraus, dass man vergessen wird, was damals geschehen ist, und deshalb genauso weitermachen wird. Ist die Menschheit unfähig zu lernen?
Franz Schuh Die Tatsache, dass dieses Drama...
Man muss sich den Kollegen A als wirklich streberhaften Musterbürger vorstellen: geschätzte dreißig, Druckereiangesteller, Vater einer kleinen Tochter in eheähnlicher Lebensgemeinschaft, gediegen linksliberal. Und weil sich A (Sascha Göpel) selbstredend als solidarischer Zeitgenosse versteht, springt er kurzfristig für einen verhinderten Kumpel an der Kasse eines...
