Vor uns die Sintflut
Ob als Terrorismus oder Todeskrankheit, täglich rücken die Katastrophen näher. Vielleicht ja ein Glück – falls nach dem finalen Reset endlich mal eine bessere Menschheit kommt und diesen monströsen Zellhaufen Unfähigkeit ablöst. Claudia Bosse hat ihrer neuen Arbeit am FFT den paradoxen Titel «catastrophic paradise» gegeben, der einen gewaltigen, aber auch unklaren philosophischen Raum öffnet. Giorgio Agambens Theorie vom inszenierten Ausnahmezustand als kapitalistischem Machtinstrument schwebt gedanklich über den zweieinhalb Stunden Sound- und Textbad.
Führt die Katastrophe zum Paradies? Ist sie das Paradies? Und was kann schon, jenseits des Persönlichen, Katastrophe sein im saturierten Westeuropa?
Claudia Bosse wirft den Betrachter im ehemaligen Kino am Worringer Platz in eine apokalyptische Materialsammlung über Kannibalismus und Krieg, Nacktheit und Natur, Sex und Sadismus. Und so irrt man auf Leinwänden vorbei an leuchtenden Plastik-Globussen und Häufchen aus Filz, Fell, Holz oder Plastikplane, liest entweder die mäandernden Meta-Gedanken der Regisseurin oder betrachtet die weißen Tafeln im letzten Saal, auf denen mit dünnem Kohlestift Leichen, vergewaltigte Frauen, ...
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Theater heute Dezember 2014
Rubrik: Chronik: Düsseldorf Forum Freies, Seite 56
von Dorothea Marcus
Es tut mir so leid! Ich bin schon wieder zu spät.» Mit fast kindlicher Unbeholfenheit sinkt Damian Rebgetz aufs Sofa der «Wohnzimmer»-Bar im Prenzlauer Berg, fünf Minuten nach dem vereinbarten Termin. Unwillkürlich beginnt man zu lächeln, völlig entwaffnet vom plötzlichen Anstieg der sozialen Temperatur. Damian Rebgetz kann jeden Auftritt in einen großen...
«Da draußen in der Wachau» heißt der Walzer, der Stephan Kimmigs Kammerspiel-Inszenierung von Horváths Volksstück «Geschichten aus dem Wiener Wald» durchzieht wie ein zähes Bonbon, ein Werk von Ernst Arnold in bester Wienerlied-Tradition, das sich mit einer Mischung aus sommernächtlichem Rausch und klebrigem Kitsch ins Ohr schleicht. Schon während der Einlassphase...
Für den Start von Kafkas «Verwandlung» am Theater Oberhausen möchte man fast mehrere Paar Augen besitzen: Im flächigen Innenraum eines halbfertigen Hauses ist spießbürgerliches Mobiliar ringsum an den Wänden verteilt (Bühne: Zholdak, Tita Dimova).
Ein langer Tisch ragt mit unzähligen fest installierten Handkameras in den Raum hinein. Hier nehmen die Schauspieler...
