kritik? unerwünscht
Jahrzehntelang war die professionelle Tanzkritik in Tages- und Fachpresse für Pluralismus und Verlässlichkeit bekannt und geschätzt. Ihre Verwilderung setzte mit dem Siegeszug der digitalen Medien ein: Zunehmend müssen Autoren um faire Honorare feilschen, während die Veröffentlichungsmöglichkeiten generell stark zurückgehen. Das hat verheerende Folgen:
1.
Nach den jüngsten Umstrukturierungen in den großen Zeitungen sind nur noch sehr wenige Tanzkritiker und -kritikerinnen mit profundem Fachwissen übrig geblieben, denen nunmehr die Pflicht obliegt, umfassend über die Kunstform Tanz zu berichten und der Öffentlichkeit einen Überblick über das internationale Tanzgeschehen zu verschaffen.
2. In einem Klima radikaler Mittelkürzungen haben sich Institutionen und Sponsoren auf eine neue Medienstrategie verlegt, um ihren Auftritt in den sozialen Medien und mittels digitaler PR-Kampagnen voranzutreiben und somit die Öffentlichkeit auf direktem Wege mit – zumeist positiven – Nachrichten zu füttern. Derweil verliert die professionelle Tanzkritik (mit den weit weniger kontrollierbaren Meinungen und Urteilen ihrer Verfasser) allerorten an Bedeutung.
3. Angesichts der schrumpfenden Anzahl ...
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Tanz Mai 2016
Rubrik: Traditionen, Seite 58
von Ismene brown
Eine Frau in wallendem roten Rock räkelt sich mit nacktem Rücken in einer offenen Tür. Die Tür fällt dumpf ins Schloss. Als sich die eiserne Bühnenwand hebt, schreitet die Frau – «Marina» – davon und verschwindet in einer fernen, deshalb winzig wirkenden Bodenluke. Was für ein Bild für das Verschwinden der Liebe!
Ihsan Rustems mit fünf Tanzpaaren und Musik von Arvo...
im kino: mr. gaga
«Don‘t fuck with me, my life depends on you.» Sagt man das als Choreograf zu seinen Tänzern, bevor sie auf die Bühne müssen? Gähnt man ihnen noch ein «Du laaangweilst mich» entgegen? «Mr. Gaga» tut’s in diesem nach Comedy klingenden Film. Wer Ohad Naharin kennt, weiß es besser: «Gaga» ist die berühmte Trainingstechnik des Israeli, die heilt,...
Das musste ja früher oder später passieren. Mikhail Baryshnikov, unbestrittener Superstar unter den Balletttänzern der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts, trifft auf Vaslav Nijinsky, Superstar aus dessen erster Hälfte. Da verschmilzt ein lebender Altmeister mit einer glamourösen Skandallegende: Ikone der Ballets russes, dann Opfer der Schizophrenie, in Bildern und...
