Ein Betthupferl
Am 28. Mai um 19 Uhr 35 ist der Tsunami, der in Südostasien Hunderttausenden das Leben gekostet hat, in der Dortmunder Oper angekommen. Der im chinesischen Dalian geborene, in Peking und bei Folkwang in Essen ausgebildete Xin Peng Wang, seit Herbst 2003 Ballettdirektor des Hauses, hat den Tsunami in seiner dritten Dortmunder Premiere in ein Artefakt verwandelt. Artefakte handeln, in China wie hierzulande, nicht vom Schicksal Hunderttausender, sondern von tragischen Einzelfällen.
Deshalb rauscht zwar das Meer auf dem Video von Ralph Goertz über die Dortmunder Bühnenrückwand, am überbauten Orchestergraben hockt aber ein Individuum, der Tänzer Mario Perricone, auf einem künstlichen Felsblock und trauert mit der Tonbandstimme von Jakob Schneider wie einst der antike Sänger Orpheus, wenn auch nicht mit Glucks Musik: «Ach, ich habe sie verloren, all mein Glück ist nun dahin» (oder so ähnlich).
Ähnlich wie dem Sänger Orpheus wird dem trauernden Mann die vom Meer hinweggespülte Frau für die Dauer der einstündigen, durch Musik von David Morrow, Birgitte Alsted und J. S. Bach begleiteten Aufführung zurückerstattet. Als Partnerin eines kahlköpfigen Neutrums und gelegentlich auch im Umgang ...
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