Zwischenreich
Eine dem Autor beruflich lange verbundene Grafikerin seufzte einmal: «Warum eigentlich dürfen bei Publikationen zum zeitgenössischen Tanz nie Tanzfotos verwendet werden?» Ihre Kümmernis bezog sich auf den damaligen Trend, alle möglichen Bewegungsphänomene zu zeigen, nicht aber choreografische Szenen auf der Bühne. Die Abneigung gegen Tanz-Illustrationen mag sich inzwischen wieder abgeschwächt haben; das Unbehagen aber bleibt.
Bloß nicht den Tanz festlegen auf eine bestimmte Erscheinungsform, auf keinen Fall den bewegten Körper feiern, niemals das Theatralische in den Vordergrund rücken.
Aber was eigentlich? Viel leichter ist es, das «nicht» zu benennen – alles das, was dem Tanz nicht zukommt: keine bestimmte Technik, keine bestimmte Ästhetik, nichts Endgültiges. Er entsteht immer neu in der Praxis, reagiert dabei auf die Bedingungen seiner Gegenwart und fürchtet daher die Geschichte als das, was schon war und nicht mehr abgeändert werden kann. Das mag zum Wesen der Kunstform passen, die immer in Bewegung sein muss und daher ständiger Veränderung unterliegt. Aber müsste man das nicht auch positiv formulieren können? Im Sinne eines «Ja» statt des ewigen «Nein» oder «Vielleicht»?
Im ...
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Tanz Jahrbuch 2016
Rubrik: Ästhetik: Ins Offene, Seite 92
von Franz Anton Cramer
Das Stück hat viele Kritiker begeistert – ob sie nun den Choreografen und Tänzer Akram Khan, seine Tänzerinnen Christine Joy Ritter und Ching Yien-Chen oder die Inszenierung an sich zu ihrem Favoriten kürten. Khans Kammerspiel kreist um eine Episode aus dem Mahabharata, die er einem Buch der Schriftstellerin Karthika Naïr entnommen hat (tanz 4/16). Die Künstlerin,...
Ihre Stücke entfalten einen hypnotischen Sog. Dabei sind es dunkle, geheimnisvolle Welten, die diese Choreografin entwirft. Gedankliche Tiefe und konzeptuelle Strenge gehen immer einher mit einer hinreißenden Sinnlichkeit. Bei ihren bildstarken Arbeiten fällt die Affinität zur Bildenden Kunst sofort ins Auge. Wie sie die Körper im Raum arrangiert, hat skulpturale...
Sie ist keine Künstlerin – auch wenn das, was sie sich vorgenommen hat und was die internationale Tanzwelt von ihr erwartet, einem Kunststück gleicht: Adolphe Binder übernimmt im Mai 2017 das Tanztheater Wuppertal. Sie ist Kulturmanagerin, Kuratorin und war zuletzt künstlerische Leiterin der GöteborgsOperans Danskompani. Also keine Choreografin, die über ihre...
