hunter
Marineblaue Hose, T-Shirt, ein feiner azurblauer Streifen schlängelt sich hüftabwärts bis zu den Füßen. Gebeugt sitzt die Frau an einem Tisch aus Plexiglas, rücklings zum hereinströmenden Publikum, das die Tribüne der zweiten Spielstätte des Berliner Hebbel-am-Ufer-Theaters entert und von dort aus den Blick auf einen zentral gehängten, weißwollenen Projektionsteppich heftet.
Eine Kamera überträgt auf das Textil, womit die Frau sich beschäftigt: Kinderfotos wandern durch ihre Hände, ein Indianer mit Federkopfputz, die Porträts unbekannter Gesichter und Bilder der Flower-Power-Ikonen Yoko Ono und John Lennon – mit Wallemähne überm nackten Popo. Die Frau beschneidet die Aufnahmen oder fackelt ihnen die Ecken ab, manche bearbeitet sie mit Nagellack, dann pinnt sie eine nach der anderen auf eine kreisende Etagere. Der Karneol-Ring an ihrem Finger tanzt dabei wie ein Irrlicht. Kaum ist der Drehteller rundum bestückt, spießt die Frau die nächsten Schnappschüsse auf lange Nadeln und stelzt sie damit ein Stockwerk höher. Bis zuletzt keine plane Collage, sondern ein dreidimensional bestücktes Bilderkarussell rotiert. Was der Topografie unseres Gedächtnisses entspricht, das nicht eine ...
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Tanz Mai 2014
Rubrik: produktionen, Seite 12
von Dorion Weickmann
Einer der besten Beweggründe fürs Ballett ist noch immer eine Obsession. Und geradezu obsessiv hat sich denn auch das Polski Balet Narodowy in den letzten Jahren mit diesem Thema beschäftigt. Gleich zwei programmatische Produktionen stammen von Krzysztof Pastor, der das Ensemble seit 2009 leitet: «Kurt Weill» und «I Przejda Deszcze». Auch lassen sich der neue...
den haag_________
kylworks
Aus dem täglichen Pflichtprogramm hat sich Jiří Kylián schon vor geraumer Zeit verabschiedet. Aber die Hände legt der langjährige Boss des Nederlands Dans Theater deswegen nicht in den Schoß, geschweige denn die Füße aufs Sofa. In aller Stille hat Kylián im Korzo-Theater das Beckett-Duo «East Shadow» (tanz 4/14) choreografiert, das nach...
Ganz so schlimm kommt es dann doch nicht. «Das Leben ist ein Tappen im Dunkeln», heißt es am Anfang, ein Leitspruch, projiziert auf den Eisernen Vorhang. Doch alle drei Ballette hat Stefan Woinke auf der Bühne des Großen Hauses so ausgeleuchtet, dass keiner der Beteiligten im Dunkeln tappen muss. Und getappt wird beim Badischen Staatsballett ohnehin nicht. Das...
