Marco Goecke

Einen Original-Goecke erkennt man sofort. Nicht umsonst ist der Hauschoreograf des Stuttgarter Balletts und «assoziierte Choreograf» des Nederlands Dans Theater international enorm gefragt. Der geborene Wuppertaler zeichnet extravagante Schritte in den Raum – und genauso außergewöhnliche Striche auf Papier. Unterhalten hat er sich darüber mit Hartmut Regitz.

Tanz - Logo

Wie sind Sie überhaupt zum Zeichnen gekommen. War das wichtig für Sie?

Sehr. Schon als Kind. Lange vor dem Tanzen war das Zeichnen mein nächstliegendes Ausdrucksmittel. Ich erinnere mich noch gut daran, dass ich als Kind, als Jugendlicher nachts angefangen habe zu zeichnen und darüber die Zeit völlig vergessen habe – so, dass ich es am nächsten Morgen gar nicht mehr in die Schule geschafft habe. Auch heute ist es noch so, dass die Konzentration, der Blick auf das Blatt wie ein Sog für mich ist, man lebt für einen Moment ganz darin.

Daraus aufgetaucht, fühle ich mich wahnsinnig leer, als ob ich hypnotisiert gewesen wäre – ein Gefühl, das ich so vom Choreografieren überhaupt nicht kenne, das ist eine kältere Angelegenheit. Wenn ich ein paar Stunden später wieder auf die Bilder schaue, ist da so eine große Verwunderung.

Auch ein Erschrecken?

Als wäre ich an einem anderen Ort gewesen. Ich finde das interessant, nicht zuletzt im Hinblick auf den Akt des Choreografierens. Da existiert so etwas gar nicht. Choreografieren hat für mich viel mehr mit Unterhaltung zu tun.

Mit Theater?

Mit Show. Und ich bin selbst bei einer Probe Teil einer Show, weil ich ja auch die Tänzer dabei immer auf ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle tanz-Artikel online lesen
  • Zugang zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von tanz

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Tanz März 2014
Rubrik: menschen, Seite 18
von Hartmut Regitz

Weitere Beiträge
niederlande ausgezehrt

ausgezehrt______________

Die Niederlande galten lange als Tanzparadies, ihre Choreografen als internationale Trendsetter. Eine rigorose Sparpolitik dezimiert die Szene und hinterlässt viel verbrannte Erde. 

Es war eine krachende These, die den Meinungsbeitrag von Melle Daamen, Direktor der Amsterdamse Schouwburg, in einer großen niederländischen Tageszeitung...

Cinestethik

cinesthetik________
kinoübertragungen

Internationales Ballettflair atmen, ohne ein Flugzeug zu besteigen? Die Kinoübertragung macht’s möglich. Inzwischen tun viele große Kompanien mit, aber was springt dabei für sie heraus?

Ob Bolshoi oder Pariser Oper, Het Nationale oder Royal Ballet: Seit sechs Jahren übertragen internationale Premiumkompanien ihre opulenten...

Brüssel: «Mono»

«Mono» bleibt der Zuschauerin im Hirn stecken wie ein düsterer Traum: der Anblick einer Gruppe von Leuten in ihrem eigenen Kosmos. Was sie beschäftigt, ergründet man nicht, glaubt aber, nah dran zu sein an ihrer Logik, immerzu kurz vor der Erkenntnis. Die Bühne wird zu einem Zwischenraum, in dem sich etwas darbietet und zugleich entzieht, etwas, das nie deutbare...