Henrietta Horn
Der Grund für die vibrierende Atmosphäre im Tanzsaal des Osnabrücker Theaters befindet sich in zwei quietschgrünen Plastikkörben: Hier lagern, sorgsam übereinander geschichtet, die Gesichtsmasken für Mary Wigmans «Totentanz II». Die Maskenabteilung hat sie den hölzernen Originalen von 1917 nachmodelliert. Beeindruckende Requisiten, die tanzhistorische Zeiten wachrufen. Jedem Tänzer der Dance Company Osnabrück musste ein Gipsabdruck abgenommen werden, um die Larven der Physiognomie anzupassen. Dennoch: Die erwartungsfrohe Begeisterung lässt beim Anprobieren deutlich nach.
Marine Sanchez Egasse schüttelt den Kopf, legt die Maske mit dem Antlitz der Wigman ab. Sie kann darunter kaum atmen. Auch das Sichtfeld ist durch die Schlitze stark eingeschränkt.
Henrietta Horn, die dunklen, grau durchsetzten Haare nachlässig am Hinterkopf hochgeknotet, bahnt sich ruhig ihren Weg durch das aufgekratzte Gewusel. «Are you okay?», wendet sie sich fürsorglich an die Tänzerin. «We try. If you think it‘s impossible, we find a solution.» Kurz darauf nimmt sie Platz auf einem Stuhl, verschränkt die Arme: «Wir gehen einmal auf Anfang.» Der erste Durchlauf mit Masken und Kostümen.
Das vorläufige Ergebnis der ...
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Tanz März 2017
Rubrik: Menschen, Seite 26
von Bettina Trouwborst
Erfolgreich und gescheitert zugleich! Anne Teresa De Keersmaekers erste Pariser Opernregie begeistert Tanzkenner, verärgert – trotz exzellenter Sänger – das Opernpublikum und lässt die Tänzer des Ballet de l’Opéra gefrustet zurück. Denn die Choreografin hat aus Mozarts «Così fan tutte» mehr oder weniger ein Werk ihrer eigenen Truppe Rosas gemacht.
Die Idee ist...
Wer 2010 Mario Schröders Leipziger Einstandspremiere «Chaplin» gesehen hat und jetzt seines «Van Gogh» ansichtig wird, stellt fest: Dieser Choreograf hat einen steilen Aufstieg hingelegt und ein wunderbares Ensemble geformt. Unter seinen Fittichen sind die Tänzer enorm gereift und können sogar etwas derart Vermessenes wagen, wie eine Biografie Vincent van Goghs auf...
Ausstellung
Depot Erbe
Wer bestimmt, was bleibt? Welche Choreografien werden in die Zukunft
weitergereicht, welche nicht? Wer sortiert, was künftig zu sehen sein wird und was nicht? Was leicht ersetzbar wäre, kann auf jeden Fall schon mal weg. Oder nicht? Auf dem Bühnenboden zur Choreografie «9000 Steps» von Joanne Leighton (Foto) wurden 2016 zwei Tonnen Salz...
