fabienne hott
«Ich tanze jetzt die Rolle der Nikija aus Marius Petipas ‹La Bayadère›», sagt die 15-jährige Gymnasiastin Fabienne Hott, dann ist sie weg. Eingetaucht in eine der dramatischsten Liebesgeschichten der russischen Klassik. Ansprechbar ist sie jetzt nicht mehr. «Im Ballettsaal vergesse ich alles. Korrekturen höre ich gar nicht, die kann ich erst nachher aufnehmen.» Zur dramatischen Musik von Ludwig Minkus tanzt Fabienne Hott ausdrucksstark die schwere und schnelle Partie der Tempeltänzerin Nikija, deren Liebe zum Krieger Solor nicht sein darf.
Ihr langgestreckter schmaler Körper bebt, ihr zartes Gesicht ist geprägt von Leid und Schmerz. «Ballett ist alles, Ballett ist mein Leben», sagt die Einser-Schülerin, die nach der Ganztagsschule täglich mehrere Stunden im Ballettsaal schwitzt.
Im Solo der Nikija mit seinen komplizierten Schritten und Sprüngen, Pliés und Pirouetten berührt Fabienne Hott besonders, weil sie Gefühle tanzt, die sie selbst noch gar nicht erlebt hat. Ihre Körpersprache und ihre Mimik sind dabei so einnehmend, dass man sich sparen kann, das Libretto zu studieren.
Hervorragende junge Tänzerinnen gibt es viele, aber nicht alle haben das Charisma und die Linien einer ...
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Tanz Jahrbuch 2014
Rubrik: die hoffnungsträger, Seite 158
von Natali Kurth
Das passiert viel zu selten: dass sich ein Balletttänzer wie Robert Robinson raus aus dem geschützten Raum der Staatstheater wagt. Der Brite tanzt erst die zweite Saison in der Gruppe des Stuttgarter Balletts. Und doch fühlt es sich an, als sei der schlaksige Kerl schon viel länger in town. Das liegt daran, dass der 21-Jährige häufig auf der Bühne zu sehen ist;...
Welche Wünsche hat man an den Tanz, und wer ist geeignet, diese zu erfüllen? Was suchen wir allabendlich auf der Bühne? Ein Stück von der Freiheit, eine wirklich gute Idee, ein Bild für den nächsten nächtlichen Albtraum? Und wer kann gar die Fahne der Hoffnung tragen – oder ist es eine Fackel? Wenn jemand für die Hoffnung einstehen kann, dann wohl das...
Bis heute lebt das Stuttgarter Ballett von John Crankos wenigen Werken. Wohl entsteht hier ständig Neues, aber die berühmten Handlungsballette – von «Romeo und Julia» (1962) über «Onegin» (1965) bis «Der Widerspenstigen Zähmung» (1969) – sind seit dem Tod des Choreografen im Jahr 1973 der finanziell stets einträgliche Grundstock der Kompanie und auch der Grund,...
