Ohad Naharin: «Hora»
Ohad Naharin liebt knappe Titel. «Hora», das ist ein Volkstanz aus Rumänien, der auch in Israel Fuß gefasst hat. Aber keine Bange, Naharin zeigt keine Kreistänze, er widmet das Stück seiner Mutter Tsophia zu ihrem Achtzigsten und betreibt wild seine ingeniöse Tanztechnik Gaga weiter, indem er einfache Schrittelemente nach Lust und Laune mischt, analysiert und neu zusammensetzt, um so stets Neues aus den energiegeladenen Tänzern zu generieren. Ein wenig erinnert Naharin darin an Jackson Pollock: Auch die Bilder des berühmten amerikanischen Malers entstanden je aus dem Vorangegangenen.
Noch mehr erinnert «Hora» an Pollock, wenn die Bühne zunächst in irisierend grünem Licht vor sich hinleuchtet und seine elf Tänzer aufrecht auf einer schwankenden Bank im Hintergrund sitzen, in kurzen Hosen: wie ein Ölgemälde, bevor sich die Bühne schlagartig in eine chaotische Tanz-arena verwandelt. Da verfolgt jeder Tänzer seinen eigenen Weg, ergibt sich seiner Energie ohne Rücksicht auf andere. Das Bild sprudelt wie ein Whirlpool der Individuen, die sich jäh zum Fischschwarm ordnen, sobald ein Eindringling die Szene betritt.
Es erklingt ein elektronisches Arrangement von Isao Tomita and Ryoji ...
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