Turin On Tour: «Auguri»
Die Bilder, die tagtäglich auf uns einstürmen, überlagern unsere sinnliche Wahrnehmung und Empfindung. Fest vertäute Kästen in diffus schimmerndem Licht erinnern unwillkürlich an Frachtcontainer auf hoher See. Bald werden Menschen aus und zwischen ihnen hervorquellen. Einzeln, dann in Gruppen. Und sie rennen – immer im Kreis – scheinbar um ihr Leben. «Auguri» nennt der französische Choreograf Olivier Dubois sein jüngstes Werk, uraufgeführt beim «Internationalen Sommerfestival» auf Kampnagel in Hamburg.
Es beschließt eine Trilogie, die Dubois mit «Étude critique pour un trompe-l’œil» überschrieben hat. Ein Spiel mit der Täuschung also.
Gleich zu Beginn hebt ein Dröhnen an, als befänden wir uns im Inneren einer Maschine. Die Bühne liegt im Dunkeln. Schemenhaft schälen sich die Konturen der Kästen heraus. Eine Frau erscheint. Steht da und schaut. Eine schiere Ewigkeit lang. Vollkommen reglos ist ihr Körper, bis man das gleichmäßige Auf und Ab der Bewegung ihres Atems zu erkennen glaubt. Die Ruhe vor dem Sturm. Ein Mann tritt hervor, und der erste Lauf beginnt.
22 Tänzerinnen und Tänzer stark ist Dubois’ Compagnie Ballet du Nord, die der Choreograf Runde um Runde über die Bühne ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
- Alle tanz-Artikel online lesen
- Zugang zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von tanz
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Tanz Oktober 2016
Rubrik: Kalender und Kritik, Seite 43
von Irmela Kästner
Vom Opéra-Tänzer zum Ensemble-Chef, beinahe in einem Sprung: Der kaum bekannte Bruno Bouché, 38, wurde am 1. September Nachfolger von Ivan Cavallari an der Spitze des Ballet du Rhin an der Opéra national du Rhin (Straßburg/Mulhouse/Colmar) und soll die in Mulhouse ansässige Truppe aus ihrer künstlerischen und medialen Versenkung befreien. Bouché verspricht mehr...
Die Tanzszenen der USA und Europas sind in stetigem Austausch miteinander – vor allem, was das Ballett betrifft. Auch eine Handvoll zeitgenössischer Choreografen pendelt inzwischen von New York aus regelmäßig über den Ozean. Zu ihnen zählt Trajal Harrell, dessen Voguing-Spektakel auf allen Festivals zwischen Hamburg und Wien herumgereicht werden. Miguel Gutierrez...
Während der Ex-Chef neuerdings das Ballett der Mailänder Scala leitet, läuft seine einstige Truppe zu Hochform auf: Das Aterballetto, die längste Zeit von Mauro Bigonzetti profiliert, hat unter der Führung von Cristina Bozzolini nichts an Qualität eingebüßt. Im Gegenteil ist dem Ensemble eine choreografische Vielfalt zugewachsen, die ihm sichtlich gut bekommt.
Das...
