berlin: Nico and the Navigators: «Petite messe solennelle»
34 Jahre lebte der Opernkomponist Gioachino Rossini von einer stattichen Rente aus seinem Vertrag mit dem französischen König. Abgesetzt von Liberalen des 19. Jahrhunderts, die Rossini viel Zeit gaben, das Geld für Trüffel auszugeben und, glaubt man den Brüdern Goncourt, «junge Mädchen dazu zu bringen, sich bis zur Taille auszuziehen und ihn seine Hände lüstern über ihren Oberkörper streifen zu lassen, und dabei ließ er sie an seinem kleinen Finger lutschen».
Ein Sünder, der hundert «Péchés de vieillesse» komponierte, darunter die bekannteste «Alterssünde», die «Petite messe solennelle», mit denkwürdiger Widmung: «Lieber Gott, habe ich wirklich geistliche Musik geschrieben oder nur dummes Zeug wie sonst auch? Du weißt sehr wohl, dass ich für die Opera buffa geschaffen bin. Das verlangt keine großen Fähigkeiten, dazu reicht im Grunde ein bisschen Gefühl. Also, Ehre sei Gott, und bitte lass mich ins Paradies kommen.»
«So mag ein religiöser Mensch wieder zum Kind werden», denkt der Schriftsteller Julian Barnes. Die choreografierende Regisseurin Nicola Hümpel denkt: Er ist noch heute da, der Kinderglaube vom guten Leben, selbst wenn Gott darin keine besondere Rolle spielt. Ihr ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
- Alle tanz-Artikel online lesen
- Zugang zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von tanz
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Tanz November 2011
Rubrik: kalender und kritik, Seite 37
von Arnd Wesemann
Es ist eine alte Frage: Soll man vor der Vorstellung den Programmzettel lesen oder unbefangen an das Werk herangehen? In der Regel gilt Letzteres, doch es gibt Ausnahmen. Rachid Ouramdane wollte beim «Festival d'Avignon» klare Verhältnisse schaffen und ließ die Gebrauchsanweisung für «Exposition universelle» hinterher verteilen. Das war richtig. Sonst hätte das...
I.
Es ist 2011. Experten bezeichnen die Gegenwart als «Wissens- und Medienzeitalter». Menschen gehen trotz Cyberwelten in Tanz- und Theaterhäuser. Dafür berühren die Umstürze in Nordafrika den Westeuropäer nur bedingt. Berufsbezeichnungen wie «Schauspieler», «Tänzer» und «Kabarettist» existieren nach wie vor. Vom Ersten erwarten wir, dass er stimmlich, vom Zweiten,...
2012 wird in nichts den 13 Jahren gleichen, in denen er Leiter des Centre Chorégraphique National in Le Havre war: Hervé Robbe. Sein neues Stück hat er extra so gestaltet, dass er es in seine neue Zeit als freier Choreograf hineintragen kann. Der Jahresanfang bedeutet für ihn Abschied. Das erzeugt Wehmut, obwohl «sein» CCN – Robbes Nachfolgerin ist Emmanuelle...
