Zum Küssen

Heinz Spoerli: «allem nah, allem fern» in Zürich

Tanz - Logo

Am Anfang das Ende. Vor vierzig Jahren hat Kenneth MacMillan in Stuttgart dem «Lied von der Erde» von Gustav Mahler bewegte, bewegende Gestalt gegeben und damit dem Ballett eine musikalische Dimension des Tanzes eröffnet, die bis heute nichts von ihrer inspirierenden Kraft eingebüßt hat.
Unvergessen, ja unvergänglich darin der «Abschied» – ein Finalsatz, wie ihn zuvor noch keiner sah, pendelnd zwischen Tod und Leben. Ganz zwanglos erinnert Heinz Spoerli daran, kaum dass sich der Vorhang öffnet.

Und wie seinerzeit zum Schluss steht bei ihm am Beginn eine Szene, die nichts anderes als schwankenden Boden zeigt, auf dem alle Motionen basieren. Erst die Trompeten rufen mit Dirk Segers, Tigran Mikayelyan und Davit Karapetyan drei Machos auf den Plan. Quer über die  Bühne stürmend, geben sie das treibende Tempo der pausenlosen Aufführung vor und damit eine Kraft, der die Frauen nicht immer zu folgen scheinen.
Opfern gleich krümmen sich Seh Yun Kim und Ku­sha Alexi in den Armen ihrer Partner, und je weiter das Ballett in drei Abteilungen fortschreitet, desto mehr offenbart sich die Dominanz der Männer. Selbst der Kuss, mit dem «allem nah, allem fern» à la Klimt endet, hat etwas Gewaltsames. ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle tanz-Artikel online lesen
  • Zugang zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von tanz

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Tanz Juli 2005
Rubrik: On Stage, Seite 41
von Hartmut Regitz

Vergriffen
Weitere Beiträge
Lucinda Childs: «Firebird»

The new creation by Lucinda Childs, for Maggio Danza, the city ballet of Florence run by Giorgio Mancini, is quite a surprise. Her version of “Firebird“ to Stravinsky's music is a strange mix of pure, geometrical dance with rather neo-classical, romantic pas de deux for the Czarevitch and the Firebird and the Czarevitch and the Princess. Kastchei is played here by...

Gerald Humel gestorben

Seine erste Liebe gehörte dem Tanz, und «Erste Liebe» hieß nach Tschechow ein Ballett in einem Akt, das Gerald Humel 1965 komponierte. «Schon als Junge», gesteht der «Dramatiker des Klangs» auf seiner Website, «hat mich das Ballett fasziniert» und nennt als Grund, dass seiner Meinung nach die «wichtigste Musik in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts ......

Neue Bücher

Zu 59 amerikanischen Choreografen zog es Rose Eichenbaum mit Kamera und Ton­band. Glen Tetley ist bei ihr der Connais­seur, Anna Halprin die Waldnymphe und Anna Sokolow eine Rebellin. Entstanden sind lus­tige Inter­views, teils Dokumente grauslicher Eitel­keit, gut gewürzt mit Anekdoten aus dem Leben großer US-Beweger und geleitet von der großen Frage: Was...