Ziya Azizi
Es lässt sich allerlei Hoffnung schöpfen, wenn Orient und Okzident so zusammenwachsen wie bei Ziya Azizi. Schon der Titel seines Solos trägt die Botschaft in sich: «Dervish in Progress». Der in Wien lebende Tänzer aus der Türkei dreht sich mit der spirituellen Intensität echter Derwische. Doch er öffnet das Ritual vollständig. In der Rotation entstehen Gesten und Formen, die im wahrsten Sinn mit der Tradition brechen. Schicht um Schicht befreit er sich von seinen Röcken und jongliert so mit ihnen, dass man an Loie Fuller denkt.
Azizi versucht nicht, die Avantgarde auszudribbeln, sondern zeigt wie harmonisch Sufi und Elektroklänge schwingen können und welch kolossale Energie daraus entsteht: «Dervish in Progress» sehen und verstehen, spüren, fühlen, wofür Europa die Türkei braucht. Es gilt, den Clash der Kulturen zu umfliegen, indem man Ost und West aussöhnt und noch dazu die Tradition mit der Moderne. Dieser Derwisch wird zur lebenden Skulptur eines modernen Künstlers. Es war eine gute Idee, das noch junge Festival Teatro Europeo Turin um Azizi zu zentrieren – so wie er am 9. August der Dreh- und Angelpunkt bei der Eröffnung des Sziget Festivals in Ungarn war.
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