Yvonne Rainer

Eine sanfte Anarchistin musste sie einfach werden. Unterdrückung erzwingt Rebellion. Heute ist sie eine Legende.

Tanz - Logo

Im schlichten T-Shirt mit «Merce 50»-Aufschrift und dunkler Hose sitzt sie in der ersten Reihe des Tanzquartier Wien. Aufmerksam verfolgt sie die Probe zu ihrer Performance «RoS Indexical», unterbricht gelegentlich, um den Tänzerinnen Anweisungen zu geben. «Da ist sie also, die große Yvonne Rainer.» Was für eine Aufregung herrschte am Tag zuvor im Tanzquartier. «Sie war gerade erst hier, ging ins Computerzimmer, um ihre Mails zu checken ...», sagt die Assistentin der Presseabteilung ganz aufgeregt, «... und sie hat mit mir gesprochen.

Sie ist so nett, keine Spur von Arroganz, das hätte ich nie erwartet!» Die Virilität und der Esprit, mit dem die mittlerweile 73-jährige Legende ihre Arbeit angeht, ist tatsächlich beeindruckend. Voller Energie und beweglich wirkt sie, mit ihren dunklen, kurz geschorenen Haaren und schlanker Figur, mindestens fünfzehn Jahre jünger. Gelassen und entschieden, unterhält sie sich mit drei Tänzerinnen auf der Bühne, trotz des Jetlag und nur sieben Stunden Schlaf in den letzten zwei Tagen. Es herrscht ein entspanntes Klima, wenn auch keine Stille. Der «Riot at the Rite»-Soundtrack schwillt an, eine BBC-Neugestaltung von Nijinskys «Le Sacre du printemps» von ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle tanz-Artikel online lesen
  • Zugang zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von tanz

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Tanz Juli 2008
Rubrik: Emanzipierte Verführungen, Seite 16
von Jessie Emkic

Vergriffen
Weitere Beiträge
what’s the «matter» ...

«Matter», schreibst Du, ist ein Stück über weibliche Identität. Ohne Männer oder Interaktion? Woraus, wenn nicht aus der Abgrenzung, entsteht die Identität? Über den tanzenden Körper. Obwohl jede für sich tanzt, lassen wir die anderen übrigens nie allein auf der Bühne. Was an Bildern entsteht, entsteht also in der Addition, nicht der Abgrenzung. Ich sehe bei diesem...

Occasional Theatre

Das Licht schält sie sanft, fast nachsichtig, aus dem Dunkel heraus. Zwei Figuren, sie vorn, er hinten, in zwei Welten. Dazu klackert, schabt und hallt es in der elektronischen Klangkulisse. Als blicke man in eine entfernte Zeit, einen fremden Ort; zerfallen und vergessen sind Alltag und Leben. Die Frau im knielangen goldbraunen Kleid reckt ihr Gesicht suchend,...

Nick Hobbes

«Tanzsport?!»

«Ist ein Begriff, den vornehmlich Standardtänzer benutzen. Für Choreografen scheint der Vergleich von Sport und ihrer Kunst eher den Tatbestand einer Beleidigung zu erfüllen.» Sagt Nick Hobbs. Der Choreograf. Frei machen vom «Sportlichen» kann sich der Tanz eh nicht. Nur Menschen, die sich nicht gern bewegen, tanzen nicht. «Sport ist ein Teil des...