Düsseldorf: Martin Schläpfer «b.32»
Absurd viele Rosenkränze trägt sie um beide Unterarme. Sie drückt die Ketten ans Herz, taumelt und schlägt sich selbst. Camille Andriot stürzt auf einen Stuhl zu, als verspräche er Erlösung, und tollt wie befreit darauf herum. Dann richtet sich der verzweifelte Blick gen Himmel, und ihr Leib krümmt sich. Was das Hadern mit Gott und die Drangsal der Kirche mit den Menschen machen, treibt Martin Schläpfer seit Jahren um.
Schon in Mendelssohn-Bartholdys «Reformationssymphonie» sah man Jörg Weinöhl in lutherischer Seelenpein zitternd niedersinken, während hinter ihm die Choralmelodie «Ein feste Burg ist unser Gott» erschallte. Und im Brahms-Ballett «Ein Deutsches Requiem» zeichnete der Chefchoreograf des Ballett am Rhein erneut ein sensibles Bild des Menschen auf der Suche nach Antworten auf die großen Fragen.
Deutlich strenger geht er mit dem lieben Gott in Rossinis «Petite Messe solennelle» als katholischem Gegenentwurf ins Gericht. Sein gleichnamiges Ballett, Programm «b.32», ist eine blasphemische Hymne auf das Leben. Beim Hineinhorchen in die sakrale Musik des humorvollen italienischen Opern-Komponisten entdeckte Schläpfer Nachdenkliches, aber auch Heiteres, Anzügliches, Derbes. ...
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Tanz Juli 2017
Rubrik: Kalender und Kritik, Seite 43
von Bettina Trouwborst
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