Liebesjagden

Gelsenkirchens Ballettchefin Bridget Breiner waltet ein letztes Mal ihres Amtes: als Choreografin eines herrlich klamottigen «Sommernachtstraum».

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Der Schlaf der Vernunft gebiert bekanntlich Ungeheuer – genauso geschieht es vier jungen Adligen und der Elfenkönigin Titania in William Shakespeares dämmrigem Feenwald. Wenn sie nach tiefem Schlaf erwachen, ist nichts mehr, wie es vorher war. Sie lieben nicht mehr mit zarter Romantik, sondern mit hemmungslosem Begehren. Sie grabschen, knutschen, jagen das Geliebte, schwitzen und krallen sich in sein Fleisch – ganz egal, welche Körperpartie, gleichgültig ob im Kopf- oder Fußstand. Sie lieben, wen sie nie zuvor geliebt haben. Eine andere Frau und – man fasst es nicht – einen Esel.

Shakespeares verrückteste Komödie, der «Sommernachtstraum», ist mit Feen, Kobolden, Fabelwesen bestückt und schon deshalb ein Fest für Choreografen. Es gibt da nur ein Problem: Felix Mendelssohn Bartholdys wunderbare Komposition von 1842 füllt keinen Handlungsballett-Abend. Deshalb haben sich Choreografen wie George Balanchine, Heinz Spoerli oder John Neumeier mit allerlei modernistischen Ergänzungen beholfen. Dagegen hat sich Bridget Breiner für ihre Abschiedsinszenierung am Gelsenkirchener Musiktheater im Revier für einen Swing-Shakespeare entschieden: Stücke von Duke Ellingtons Album «Such Sweet Thunder» ...

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Tanz Juni 2019
Rubrik: Produktionen, Seite 12
von Nicole Strecker

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