rosas blättert.
Die Chefredakteurin des Abends nimmt auf dem Programmzettel kein Blatt vor den Mund. Sie widmet ihre «Zeitung» Gérard Violette, schwarz auf weiß. Violettes Zeit als Intendant des Zentrums der französischen Tanzszene, des Théâtre de la Ville in Paris, läuft ab. Das birgt auch Risiken für Brüssels Vorzeigechoreografin, die bereits ihre Residenz in Brüssels Opernhaus La Monnaie verlor. Violettes Treue und seine beständigen finanziellen Beiträge zu Keersmaekers Produktionen waren für die Kompanie Rosas eine Art Lebensversicherung.
Nach fast einem Vierteljahrhundert ständiger Präsenz auf der Bühne an der Place du Châtelet schenkte Keersmaeker die Uraufführung ihrem Mentor Gérard Violette, zum ersten und letzten Mal. Symbolischer geht es nicht.
Warum heißt das Stück «Zeitung», auf Deutsch? Niemand liest auf der Bühne, keine Stimme im Off verkündet Nachrichten, nirgendwo raschelt Papier. Ist der Titel ein versteckter Appell an die Presse, sie umso mehr zu unterstützen? Falls es so wäre, geschähe es hier mit besonderem Vergnügen. Von den 105 Minuten ist keine zu viel. Im Gegenteil, man möchte gleich nach dem Applaus wieder von vorn anfangen. Es ist eine ihrer bewegendsten Recherchen und ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
- Alle tanz-Artikel online lesen
- Zugang zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von tanz
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Es gibt nur eine Choreografie in der Tanzgeschichte, mit der man immer wieder Geschichte schreiben kann: «Le sacre du printemps», das berühmte Frühlingsopfer. Igor Strawinsky komponierte es in Lausanne, wo Ballets-Russes-Chef Serge Diaghilev sich 1915 mit dem Choreografen Léonide Massine direkt am See in die Villa Belle Rive einmietete. Man sprach über Kubismus,...
Marcelo Santos,
das erste Dutzend Ihres Internationalen Solo-Tanz-Theater-Festivals ist voll, Glückwunsch! Irgendwelche Ermüdungserscheinungen? Von wegen müde! Die Jahre sind so schnell vergangen, dass ich mich selbst wundere, dass es schon das zwölfte Festival ist. Mit Sicherheit liegt das daran, dass es jedes Jahr neue Künstlerpersönlichkeiten zu sehen gibt, die...
The horse is a skeleton, a sculptor’s model for an equestrian monument – the rider is real. A sad, lean figure, his sidekick short and fat; when we see the pair on the stage of the Royal Theatre in Copenhagen, we know this is the story of the man of La Mancha who fights windmills. The veiled lady in red velvet is the Dulcinea of our knight errant’s dreams. The...
