Paris: Jérôme Bel «Isadora Duncan»

Tanz - Logo

Ihre Autobiografie erschien posthum. Schonungslos beschrieb sie darin die Folgen eines traumatischen Ereignisses: «Auch wenn man zu leben scheint, so gibt es doch eine Trauer, die tötet. Man kann seinen Körper zwar noch … über die Erde schleppen, aber die Lebensgeister sind erloschen – für immer.» 1913 ertranken Isadora Duncans Kinder in der Seine. Jahre später choreografierte sie den Schicksalsschlag – mit «Mother» zu Skrjabins Etüde op.2, cis-Moll.

Unlängst hat Damien Manivel das Solo für die Kinoleinwand adaptiert und damit den Regie-Leoparden beim Filmfestival von Locarno geholt. Dagegen bleibt der Choreograf Jérôme Bel dem Theater treu.

Eine Frau in fliederfarbener Tunika tritt auf die Bühne. Halblanges weißblondes Haar umrahmt ihr würdevoll ernstes Gesicht. Der Tanz hebt an, kreuzt diagonal die Szene. Die Frau scheint eine kleinere Gestalt an der Hand zu führen. Bisweilen wendet sie sich dem unsichtbaren Wesen zu, weist ihm die Richtung, liebevoll, entschieden. Am Ende des Weges kniet sie nieder, umfängt und wiegt das Geschöpf mit unendlicher Zärtlichkeit. Dann lässt sie es frei. Es kehrt wie von selbst in ihre Arme zurück. Mit geschlossenen Augen streicht die Frau über den ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle tanz-Artikel online lesen
  • Zugang zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von tanz

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Tanz Oktober 2019
Rubrik: Kritik, Seite 52
von Dorion Weickmann

Weitere Beiträge
Ehrungen: Schweizer Tanzpreise

In Spanien geboren, in Genf ansässig – und angenehm aufsässig, was die Tanzkunst angeht: Maria Ribot alias La Ribot bekommt den «Schweizer Grand Prix Tanz 2019». Wie es aus der Jury hieß, verbinde die Tänzerin und Choreografin in ihren Stücken «politische Aussage» mit «Frische, Humor und Ironie», und das seit über 30 Jahren. Dafür wird sie just auch mit einer...

Liebestöter

«He did what he did. I did what I did. I am such an idiot! I picked a fight. For no reason. For nothing», hallt es durch den Festsaal der Berliner Sophiensæle. «Liebestod» heißt das neueste, hier vergleichsweise klassisch einquartierte Stück von Kattrin Deufert und Thomas Plischke, kurz deufert&plischke. Für seine partizipativen, mehrere Tageszeiten und ganze...

Auferstanden: Coco Chanel

Zwei Frauen miteinander vergleichen? Ganz schlechte Idee! Es soll allerdings vorkommen, dass eine Frau an der anderen Maß nimmt. Jüngstes Beispiel auf der Ballett-Bühne: Svetlana Zakharova, Bolschoi-Star und alljährlich mit einem eigenen Projekt auf Moskaus Renommierbühne vertreten, nahm sich dieses Mal «Coco Chanel» vor. Und zwar in Gesellschaft namhafter...