monte carlo: «Amore»
Wie ihre Vorgängerinnen aus dem Zarenreich darf die berühmte Bolshoi-Ballerina Svetlana Zakharova auf der Bühne ihres Theater in regelmäßigen Abständen Vorstellungen geben, deren Erlöse ihr zufließen. Das läuft stets nach dem Muster: Zakharova findet einen Choreografen, ihre Produzenten kümmern sich um den Rest. Jede dieser Produktionen geht ein gewisses künstlerisches Risiko ein und ist dennoch ein gutes Geschäft. So verhält es sich auch mit «Amore».
Der Abend besteht aus drei einaktigen Balletten über die Liebe.
Zakharova exzelliert noch immer in virtuosen Partien, aber herausragend ist sie in lyrischen Rollen. Das scheint sie auch zu wissen. «Amore», zwei Wochen vor der Moskauer Premiere im italienischen Modena uraufgeführt, ist in der Hauptsache von Dante inspiriert. Der erste Teil, «Francesca da Rimini» zu Tschaikowskys gleichnamiger Sinfonischer Dichtung, sieht sehr dramatisch aus – und nimmt so den Faden auf, den der Choreograf Mikhail Fokine 1915 mit Lubov Egorova in der Titelrolle gesponnen hat. Sein heutiger Kollege Yuri Possokhov versteht sich darauf, menschliche Beziehungen leidenschaftlich und detailliert auszugestalten, bis dahin, dass Francesca mit ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
- Alle tanz-Artikel online lesen
- Zugang zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von tanz
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Tanz Juli 2016
Rubrik: kalender und kritik, Seite 46
von Leila Guchmazova
Schon mehrfach hatte John Neumeier, Ballettintendant und Chefchoreograf des Hamburg Ballett, angeregt, Olivier Messiaens «Turangalîla-Sinfonie» als Ballett auf die Bühne zu bringen. Bisher hatten die Erben – dem Wunsch des Komponisten entsprechend – eine Tanzproduktion mit diesem Werk ausgeschlossen. 1968 nämlich hatte Roland Petit das Werk in Paris choreografiert...
«fight, flight or freeze»: Es gibt Vorstellungen, da würde man vom Sitz aus am liebsten zurückbrüllen, flüchten oder einfach nur erstarren. Was die Wissenschaft als unwillkürlichen Schrecken beschreibt – dass Säugetiere bei Gefahr mit Angriff, Abhauen oder Angststarre reagieren – gilt im Theater genauso: Protest, Türenschlagen, gottergebenes Durchleiden. Wie oft im...
«dramaturgeïn ist Griechisch und bedeutet ‹ein Drama verfassen›. Kein Dramaturg verfasst Dramen.» So begann einst die Kritik des Theaterkritikers Gerhard Stadelmaier an diesem seltsamen Beruf: «Alle anderen am Theater zaubern mit Kunst. Der Dramaturg zaubert mit sich selbst», schrieb er. Der Dramaturg bringt sich so – sein bester Trick – selbst zum Verschwinden.
...
