Das Bild und seine Geschichte
Ein Haus ist mächtig. Wie mächtig, zeigte jetzt das im Zweiten Weltkrieg stark zerstörte Neue Museum auf der Berliner Museumsinsel. Zehn Jahre lang hat es der Architekt David Chipperfield geflickt. Im Herbst soll es aufgefüllt werden mit der Sammelwut unserer Vorfahren, die ihr Griechenland mit der Schaufel suchten und im von Napoleon eroberten Ägypten nach einer Hochkultur gruben wie nach einer Utopie eines Staates, der in Europa nicht zu haben war.
Heute ist der zweiflügelige Stüler-Bau an seiner Ostseite hohl, als hätte sich eine Fliegerbombe bis zum Grund gebohrt.
Der Blick geht sehnsüchtig hi-nauf zum Glashimmel – und streift fast versehentlich den weit oben in dem griechischen Schacht klebenden Fries des Romantikers Hermann Schievelbein. Er stellt den Untergang des römischen Pompeji dar. So waren sie, unsere Vorfahren: lauter Eklektiker.
Neun Tänzer von Sasha Waltz, Tochter eines Architekten, tanzen auf einem Sims unterhalb dieses Frieses, den sie – typisch Waltz – nachzustellen scheinen. Auch sie tanzen exakt das Eklektische, Romantische in griechischer Monumentenhöhe mitten in Chipperfields modernisiertem Altbau aus lauter Narben, Resten alten Putzes, der unter Lack ...
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Eva Evdokimova tanzte die Giselle voll erlesener Poesie, formvollendet, hochmusikalisch, leichtfüßig und bei aller Fragilität von einer Fraulichkeit, als hätte der Geist der Romantik von ihrem Körper Besitz ergriffen. So debütierte 1970 die Genfer Tochter eines bulgarischen Vaters und einer amerikanischen Mutter 22-jährig an der Deutschen Oper in Berlin. Nur zwei...
Die Vorstellung muss grandios gewesen sein. Der Applaus donnert, nimmt kein Ende. Her mit den Performern, auf die Bühne und jetzt verbeugen. Erst die Arme hoch, dann die Köpfe runter, selbstgewisser Triumph und gefällige Devotion, große Arroganz und höfliche Anpassung. Die ewige Ambivalenz des Künstlers gegenüber seinem Publikum – das Ritual des Beifalls ist:...
Wären sie echt, dann wären sie eine echte Sensation: sekundenkurze Film-Clips des tanzenden Vaslav Nijinsky, circa 1912, entsprechend körnig, düster und verwaschen, für alle frei zugänglich auf YouTube. Unsere Autorin Annette von Wangenheim machte uns auf den Aufruhr im Netz aufmerksam. Sie nahm uns allerdings auch gleich die Hoffnung, dass hier tatsächlich einer...
