Der Tanz nach dem Tanz
Tänzer sein
Angenommen, Sie wären dieser Körper, oder eher: Sie wären die Erfahrung dieses Körpers. Ein Tänzer. Das Licht, in dem Sie jetzt stehen, ist nicht das, was Sie auf der Bühne gewohnt sind, hier im Neonambiente einer Arbeitsagentur. Sie gehen den Flur entlang. Ihr Gang fühlt sich an wie der eines federnden Froschs. Sie laufen wie über eine Rampe, als hätte man Ihnen im Winter den Mantel gestohlen. Wütend. Das hier ist nicht Ihr Ding. Sie sind ja nur hier wegen diesem …
Karrierebruch
Sie haben ihn erlitten. Sie sind raus aus dem Spiel. Sie tanzen nicht mehr.
Ihre Karriere bricht, wie ein Knochen bricht. Als Tänzer sind Sie es gewohnt, dass Schmerzhaftes passieren kann. Dann kommt der Arzt, und Sie werden in einem Bett durch ähnliche Flure gefahren wie diesen hier. Sie wissen schon lang, dass Ihr Schmerz Ihr Freund sein muss. Das Bein ist irgendwann wieder zusammengewachsen. Dagegen soll der «Karrierebruch eine unglaubliche Chance» sein, «er ist notwendig». Hat John Neumeier gesagt. Sie wissen nicht, was dieser berühmte Choreograf damit meint. Sie wissen nur, dass er die Treppe hinaufgefallen ist. Sie noch nicht.
Sie sollen etwas anderes werden
Sie haben nur nie darüber ...
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Tanz Jahrbuch 2011
Rubrik: Jahrbuch, Seite 8
von Arnd Wesemann
Heidi Schnirch, Andrea Marton, wieso will man heute als Tänzerin oder Choreografin im Kindertanz arbeiten? Gibt es dazu einen materiellen Anreiz, oder passiert es, weil man selbst Kinder hat?
Heidi Schnirch: Zu Beginn habe ich nur im Erwachsenenbereich unterrichtet. Allein vom Tanz konnte ich nicht leben. Das Unterrichten hat mir dann deutlich gemacht, dass es mich...
«Wäre Tanz in meinem normalen Leben präsent gewesen, wäre ich vielleicht Mathematiker geworden.» Sagt Sidi Larbi Cherkaoui auf die Frage, wie er zum Tanz kam. Da war er fast erwachsen. Und entschloss sich nun, mit dem Eifer des Spätberufenen auf eine ungewisse Suche zu gehen und alles kennenzulernen, wessen er habhaft werden konnte an Tanz, Bewegung, Ritual. Was...
Das Gewohnte weiter bewohnen. Bühnenluft bis zur Rente einatmen. Wär’s das? Etwa als Ballettmeister, Kompaniemanager, Dramaturg oder Choreologe?
