brüssel: Lia Rodrigues: «Pindorama»
Anfangs droht eine junge Frau in den Fluten eines reißenden Stroms zu versinken. Wir sitzen oder stehen direkt davor, am linken und am rechten Ufer. Gern würden wir ihr Beistand leisten, sie vor dem Ertrinken bewahren. Doch die Konventionen des Theaters sprechen dagegen. Das Mädchen kämpft. Wir bleiben hilflos. Ihr Tod ist gespielt, ihre Nacktheit echt. Der Fluss, ob nun Amazonas, Mississippi oder Niagara, ist auch nicht mehr als eine Plastikplane – gerüttelt, geschüttelt und zu wildem Wellengang animiert von einem an den Enden positionierten Team.
Natürlich ist das ein uralter Theatertrick, aber so dramatisch fällt er sonst nie aus. Was spielt sich hier eigentlich ab? Ein «Sacre»-Ritual der Tupi-Indianer? Ihnen widmet die brasilianische Choreografin Lia Rodrigues nach «Pororoca» und «Piracema» auch den dritten Teil ihrer Tupi-Trilogie. «Pindorama» nennen sie ihr Land. Das ist in Wirklichkeit längst zerstört, so wie ihr ganzer Lebensraum. Der Untergang ist natürlich auch eine gesellschaftliche Metapher, hier zuerst von einer Frau ganz alleine getanzt, dann vom Kollektiv. Alle fünf kämpfen sich mit nackter Haut durch ein Gewitter, zwischen Wolkenbrüchen, Erdrutsch und Flutwelle. ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
- Alle tanz-Artikel online lesen
- Zugang zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von tanz
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Tanz Mai 2014
Rubrik: kalender und kritik, Seite 40
von Thomas Hahn
online_________
signaltanz
Ob Richard Siegal den Sprung auf den Chefsessel des Bayerischen Staatsballetts nur knapp oder um Längen verpasst hat, darüber darf spekuliert werden. Sicher ist: Sein zeitgenössischer Werkzeugkasten ist besser bestückt als der des siegreichen Igor Zelensky (tanz 4/14). Denn Siegal unterhält nicht nur sein eigenes, «If/Then» tituliertes...
«Exactly.» Das Lob geht Edward Clug leicht über die Lippen. Immer wieder fällt das Wort, während er – unter den Augen eines großen Cranko-Fotos – völlig unverkrampft fürs Stuttgarter Ballett ein neues Stück erarbeitet. Noch ist es im Entstehen. Noch weiß der 40-Jährige nicht, wo es ihn am Ende einmal hinführen wird. Aber die Art und Weise, wie Friedemann Vogel und...
Kathryn Bennetts, Stuttgart haben Sie als Tänzerin erlebt. Zu Forsythe-Zeiten waren Sie Ballettmeisterin in Frankfurt. 2005 gingen sie als Direktorin ans Koninklijk Ballet van Vlaanderen in Antwerpen. Drei unterschiedliche Städte, drei unterschiedliche Kompanien, drei unterschiedliche Positionen, die zwangsläufig ganz unterschiedliche Erfahrungen ermöglichten –...
