malmö: Cullberg Ballet: «The Strindberg Project»
Das Problem mit Choreografen, die bei Könnern in die Lehre gehen, ist die Emanzipationsphase: Bleiben sie in den Fängen des Meisters hängen, oder gelingt ihnen die Abnabelung? Tilman O’Donnells Strindberg-Kokolores «August did not have what is commonly considered good taste as far as furniture is concerned» ist leider nur ein Forsythe-Abklatsch: Sieben Kommunarden trollen sich zwischen Klamottenbergen und Buchregal, üben hündisches Gassi-Gehen und Nietzsche-Nihilismus-Posen, aber die Kurve zum Theater kriegen sie nie.
Trotzdem ist «The Strindberg Project», die 2012 entstandene Produktion des schwedischen Cullberg Ballet, nicht rundweg misslungen, denn der zweite Teil des Abends macht den lahmen Auftakt mehr als wett.
1967 gegründet, zählt die Cullberg-Equipe zu den Vorzeige-Ensembles Skandinaviens und hat einst Bahnbrechendes wie Mats Eks freudianischen «Schwanensee» (1987) produziert. Bis heute ist sie ein Sprungbrett für aufstrebende Talente, was freilich hohe Wechselquoten in den eigenen Reihen erzeugt. Demnächst betrifft es die Spitze, denn die Leiterin Anna Grip wird gehen, obwohl sie seit 2010 ästhetische Verknöcherungssymptome linderte und heilsame Partnerschaften anschob – ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
- Alle tanz-Artikel online lesen
- Zugang zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von tanz
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Tanz Mai 2013
Rubrik: kalender und kritik, Seite 56
von Dorion Weickmann
historie_________
tanz im kalten krieg
hat Konjunktur, zumindest bei englischsprachigen Autoren. Rebecca Kowal verknüpft Tanzhistoriografie, American Studies und Performance-Theorie anhand der Werke zehn amerikanischer Choreografen. So gibt Anna Sokolows «Rooms» von 1955 Aufschluss über die Vereinsamung moderner Großstädter, ebnen Merce Cunningham und Paul Taylor...
Niemand kann Nicky anfassen. Sie ist da für sich, wie hinter Glas, gesehen durch eine Linse, betrachtet im Viereck des Films auf einer Wand des Museums für Moderne Kunst in Frankfurt. Nicky hört Musik, wir auch, wahrscheinlich dieselbe, so ein elektronisches Tuckern, künstliche Herzschläge, mit einlullendem Überbau und einer Süßstoffstimme, waiting for a man, come...
screening_________
arte im «sacre»-fieber
So viel «Sacre» war nie, das gilt natürlich auch für den deutsch-französischen Kulturkanal Arte. Am 26. Mai ist dort die Dokumentation «Sacre du printemps – Frühling im Herbst» zu sehen: Denis Sneguirev und Philippe Chevalier haben mit der Kamera beobachtet, wie der Choreograf Thierry Thieû Niang aus dem Opferritual ein...
