Jeroen Verbruggen: Immer immersiver
Mir persönlich ist es als Künstler wichtig, bei jedem schöpferischen Prozess möglichst viele schwierige Fragen aufzuwerfen, die meine Kreativität herausfordern. Das ist unerlässlich, wenn man sich persönlich weiterentwickeln will. Genauso unerlässlich ist es aber auch für die Fortentwicklung der Kunst als solche. Tradition und Geschichte sind für mich beides inspirierende Themen, mit denen ich mich auseinandersetze.
Da ich bei meinen choreografischen Aktivitäten nicht selten an traditionelle Theaterräume gebunden bin, stelle ich mir meine Fragen seit einiger Zeit weniger aus der Innen-, sondern vielmehr aus der Außenperspektive, vom Standpunkt des Publikums her.
Mir ist klar, dass die Öffentlichkeit zunehmend hungriger wird, was Partizipation betrifft. Selbst seitens der Marketing-Abteilungen wird den Neugierigen inzwischen angeboten, ein bisschen Backstage-Luft zu schnuppern, Proben oder Kreativprozesse per Livestream zu verfolgen oder Tänzerinnen und Tänzer via Social Media quasi live durch deren Alltag zu begleiten. Eine schöne Möglichkeit, die so elitäre Kunstform Tanz breiteren Publikumsschichten näher zu bringen, ohne Frage. Aber – und man mag mich jetzt altmodisch nennen –, ...
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Tanz Jahrbuch 2017
Rubrik: Raum für Visionen, Seite 128
von Jeroen Verbruggen
Als Ted Brandsen, Direktor von Het Nationale Ballet, seine Kollegen und Kolleginnen im Februar zum Branchentreff nach Amsterdam lud, ließ er es nicht bei grauer Theorie bewenden. Im Rahmen der Konferenz «Positioning Ballet» präsentierte Brandsens Truppe «Made in Amsterdam» – sechs Beiträge aus der Abteilung «High-End-Kunst» an zwei Abenden. Gleich das allererste...
Du betrittst den großen Ausstellungsraum. Blau-rotes Licht leuchtet auf Stoffe, die Lautsprecher verkleiden. Auf einer Seite steht ein skelettartiges Kugelobjekt mit dünnen blauen Elektrolumineszenz-Fasern, die wie Dendriten leuchten.
Du bewegst dich zwischen den Lautsprechern hindurch, die in dem Stoffwald verteilt sind, und bemerkst die subtil wechselnden Klänge,...
Julian Amir Lacey wurde in New York vom Dresdner Ballettdirektor Aaron S. Watkin entdeckt, in einer Präsentation der School of American Ballet. Dort hat Lacey seine in San Francisco begonnene Ausbildung abgeschlossen. Training nach Waganowa, Erweiterung des Tanzhorizonts mit Balan-chine – das sind beste Voraussetzungen für die Dresdner Kompanie. Über deren...
