Daniela Kurz: «Les Enfants terribles»
Auch nach dem Leben gibt es ein Leben. Gérard, gebeugt unter der Last des Alters, erinnert sich seiner Jugend: Elisabeth, die er bis zur Selbstverleugnung verehrt, und Paul, der geliebte Freund: Bruder und Schwester, die selbst im Tod nicht voneinander lassen können, geschweige denn im Leben, dem sie selbst ein Ende setzen.
Hannes Seebauer erzählt, und von der minimalistischen Musik des 70-jährigen Philip Glass reanimiert, kehren die «Kinder der Nacht» (nach Jean Cocteaus Roman Les enfants terribles) wie Orpheus und Eurydike zurück auf die Bühne ihres Lebens – immer begleitet von einer achtköpfigen Schar schattenhafter Tänzer, die wie Erinnyen in einer griechischen Tragödie auf jeden Fehltritt der beiden Protagonisten lauern.
Glass hat sein Stück eine Dance Opera genannt, und Daniela Kurz, wie kaum eine andere Regisseurin in Deutschland mit seinem Werk vertraut, macht daraus am Staatstheater Nürnberg ein Traumspiel, bei dem alles stimmt: die Positionierung der Sänger, das choreografische Kontinuum, das Klavier-Arrangement, das im Schauspielhaus wie eine Begleitmusik zu einer Lichtspielszene wirkt – und das hochästhetische Ambiente, das die Hermetik der Geschichte für eine gute ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
- Alle tanz-Artikel online lesen
- Zugang zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von tanz
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Gleich drei ehemalige Forsythe-Tänzer lässt der Ulmer Ballettchef Andris Plucis mit seinem zehnköpfigen Ensemble arbeiten. Thomas McManus und Nik Haffner machten den Anfang; Marc Spradling folgte am 24. Mai mit «Pierrot lunaire» und «Lieder eines fahrenden Gesellen». Ob die Frankfurter Schule Garant für Kreativität ist, entscheidet sich jedoch nur fallsweise....
Mathilde Monnier, die Entdeckerin. Immer auf Abwegen, immer auf dem Sprung, Tanz infrage zu stellen, indem sie ihn mit anderen Welten konfrontiert. Literatur, Philosophie, Psychiatrie oder Gesang. Jedes Mal erforscht sie die Grenzen des Ausdruckmittels Tanz. Sobald sie 1994 die Leitung des Centre chorégraphique national in Montpellier übernahm, trieb sie die...
Es war ein unerhörter Skandal, ein «beispielloser Vorgang in den Prunkgemächern der Oper», wie der Chronist Théophile Gautier am 5. November 1838 berichtete: «Es gab Tumult, Aufstand, Bacchanal, eine Schlacht der Fausthiebe gegen frenetische Bravos.» Ehrenwerte Pariser Bürger gerieten handgreiflich aneinander, die Schreckensschreie ihrer Begleiterinnen hallten...
