Das Archiv
Die kulturpolitischen Maßnahmen kommen und gehen, die kuratorischen Setzungen prägen eine Spielzeit oder eine Saison, die choreografischen Entwicklungen ereignen sich irgendwo, wo man selbst meist nicht ist, und die tänzerische Darbietung findet seit je im ontologischen Niemandsland statt. Gäbe es nicht das Archiv – oder besser gesagt, die Vielzahl von Einrichtungen, die sich der Spurensicherung widmen –, die ganze schöne Tanzpolitik, Programmplanung und Produktionsförderung wäre verlorene Liebesmüh’.
Mit Blick auf das Publikum mag sie das in den meisten Fällen so oder so bleiben, aber die Archive bergen, bewahren, übersetzen, transponieren und umhegen das, was vom Tanzen bleibt: auf Papier, als Foto, im Film, in der Erinnerung, im Netz, im Regal, in der Box oder wo auch sonst. Das Archiv erfindet mit rührender Gleichmut den Tanz, das Tanzen und das Sprechen darüber immer wieder neu, es erlaubt jedem Einzelnen, sich sein Erinnerungs-Stück vom Tanz anzufertigen. Manchmal werden daraus große Erzählungen, historische Abhandlungen oder biografische Feinanalysen. Am Anfang steht aber immer die Begegnung des Einzelnen mit einer Spur. Und der Ort dieser Begegnung ist das Archiv.
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