In Tüll gehüllt
Kein Wunder, dass die Schwäne heute Trauer tragen und dass ihnen auch nicht nach Spitzentanz zumute ist. Der Berner «Schwanensee» zeigt die stolzen Vögel mit zitternden Beinen und zuckenden, nackten Füßen. Weiße Tutus rahmen weibliche und männliche Schwanenhüften gleichermaßen, die Federn haften jedem am Kopf, als wären sie Indianern abgetrotzt, und auch mit schwarzem Tüll umhüllen sich zuweilen die geflügelten Wesen.
Dem Choreografen Stijn Celis geht es in seiner Version des Ballettklassikers nicht um erhabene Schönheit und Eleganz, sondern um beider Verlust und die Dekadenz einer überzivilisierten (höfischen) Gesellschaft.
Die Königin (Emma Murray) kommt als exzentrische Mutter daher, die ihre Wünsche, Befehle und Sehnsüchte in gekonnt spastischen Zappeltänzen auf virtuos wackligen Beinen zum Ausdruck bringt. Ihr Sohn, der zu verehelichende Siegfried (Erik Wagner), schwankt zwischen täppischer Unterwürfigkeit, quirliger Ungeduld, bleischwerer Trauer und beflügelter Verzauberung. Die heiratswilligen Prinzessinnen, allesamt zickige Tussis in kurzen Reifröcken (Kostüme: Catherine Voeffray), verschmäht der Thronfolger ges-tenreich. Stattdessen steigt er verliebt der schwermütigen ...
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Keine Zeit war Kapital und Industrie gegenüber kritischer als der deutsche Expressionismus. Mit Karl Marx in der Tasche formierte sich eine antikapitalistische Ökobewegung, die 1968 mehr ihr Revival als ihre Fortsetzung erfuhr. Die künstlerische Kritik fand zwischen den Weltkriegen statt: als Hexentanz und Dämonenmode hinter grotesken Masken. Mit Mary Wigman, Oda...
Die Kids sind in Massen gekommen. Und stopfen sich Massen von Chips in den Mund. Sollte das der Beitrag der Tanzkunst zur Volksgesundheit sein, wie es britische Tanzpolitiker in letzter Zeit preisen? Denn wäre es um den Volkskörper so bestellt, als würde er vor der Glotze hocken. Doch sobald die Tänzer der Henri Oguike Dance Company zu den Taiko-Trommeln in «Second...
