Der Rücken

Dreht euch um! Die Kehrseite unseres Körpers ist eine Offenbarung. Von einem selbst nur selten zu sehen, verspricht der Rücken im Tanz immer neue Aussichten

Tanz - Logo

Der Rücken ist unsere Schattenseite. Immerzu ist er hinten. Den eigenen Rücken sehen wir nicht, aber lauter Rückseiten vor uns in der Menge. Wer keinen vor sich hat, ist Sieger, Erster am Ziel. Den eigenen Rücken fühlt man nur. Und wie. Statistisch betrachtet, hat die überwiegende Mehrheit der Zeitgenossen Probleme damit. Viele bewegen sich zu wenig, andere heben falsch oder tragen schief. Tänzer und andere Hochleistungssportler arbeiten zu extrem und zu früh in der Kindheit am Rücken. Ratschläge gegen Rückenschmerz gibt es zahllose.

Die einen propagieren einen starken Rücken aus Muskeln, andere weisen auf Fehlfunktionen hin, die die Bauchmuskeln schwächen, was wiederum den Rücken schädigt. Lümmeln soll gut sein und ein Glas Wein zur Durchblutung, bloß nicht «Stillsitzen». Doch ist das militärische Brust-raus-Po-rein zwecks Allgemeinstraffung nicht totzukriegen. Mir wurde als Kind gegen meine «schlechte Haltung» mit Ballett gedroht, was dem unwissenden Mädel deshalb vermeidenswert schien. Zum Tanz also später.

Was ist der Rücken und was soll er? Was tut er, darf er, kann er? Den Rücken zu betrachten, öffnet den Blick aufs Menschliche. Das fing vor Urzeiten damit an, dass die ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle tanz-Artikel online lesen
  • Zugang zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von tanz

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Tanz August/September 2008
Rubrik: Tänzer in Teilen, Seite 32
von Melanie Suchy

Vergriffen
Weitere Beiträge
David Dawson: «A Million Kisses to My Skin»,«Giselle»

Wann immer sich in der neuen «Giselle» des Dresden SemperOper Ballett etwas Entscheidendes tut, lässt David Dawson Blumen sprechen. Mit Kirschblüten überhäuft Albrecht seine Geliebte im ersten Pas de deux, als wolle er so ihre fragile Schönheit fassen. Blutrote Blätter «beflecken» Giselle auch während der Wahnsinnszene und deuten auf einen frühen Tod. Am Ende des...

Cyd Charisse

Cyd Charisse war keine brillante Schauspielerin, sie war ein Typ. The vamp in the wedge cut aus «Singin’ in the Rain» (1952) machte sie in nur fünf Minuten Leinwandzeit berühmt. Die Lady Unberührbar mit dem inneren Feuer, die kalte Göttin mit dem heißen Geheimnis. Streckenweise ein bisschen – fad. Eleanor und Jane Powell, Judy Garland und Rita Hay-worth, Kathryn...

Rachid Ouramdane «Loin ...»

Unter den wenigen großen Autoren der Performance-Szene unterstreicht einer immer mehr seine persönliche Note. Rachid Ouramdane hinterfragt Identität mit immer philosophischerem Werkzeug. In «Loin ...» (weit, entfernt) blickt er in den Spiegel seiner eigenen Familiengeschichte. Es ist ein Blick in den Abgrund des Schweigens. Zwei dunkle Spiegel liegen auf der Bühne....