Rundgetanzt
Niemand steht in einem Treppenhaus. Stehen muss man nur im Aufzug. Oder davor. Im Treppenhaus bewegt man sich, hinauf oder hinab. Es gibt enge, schmale, steile Treppenhäuser wie die zum Kirchturm rauf. Und es gibt weite, hohe, prächtige Treppenhäuser wie hier im Oberlandesgericht Köln oder ein paar Kilometer rheinaufwärts im Kunstmuseum Bonn. Große, generös gebaute Treppenhäuser sind das Zentrum eines Gebäudes. Sie sind seine Achse, sein hohles Rückgrat, eine Hauptstraße in der Vertikalen.
Die Kölner Medienkünstlerin Irena Paskali hat sich darin bewegt, hier mit rotem Tuch, dort mit schlankem Stuhl. Ihre Panorama-Kamera dreht sich mit, rotiert mit fixierter Geschwindigkeit um dieselbe Achse, die auch das Treppenhaus durchzieht. Das Hohe wird dabei so rund wie eine Scheibe. Das ganze Auf und Ab erscheint als eine Wiederkehr der Routinen des Hinauf, Hinab. Die in Mazedonien Geborene sieht in diesem Rund einen «Kreislauf in unserem alltäglichen Bewegungsspielraum», ein «ewiges Auf und Ab» – etwas Paradoxes auch, eine Art Quadratur des Kreises. Denn natürlich sind die Treppenhäuser weiter eckig und steil und hoch, fein polierte, überdachte Gebirge, die zu den Städten gehören wie das ...
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Tanz Februar 2020
Rubrik: Bewegung, Seite 4
von Arnd Wesemann
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