Seid verschlungen, Millionen
Die NS-Propaganda setzte auf Massenevents und knüpfte dabei ästhetisch auch an Errungenschaften der Moderne an. Ein Beispiel ist der Regisseur Hanns Niedecken-Gebhard, der 1936 die Eröffnung der Olympischen Sommerspiele in Berlin inszenierte. Der prominente Theatermann machte Karriere im NS-Regime, wurde später Dozent der Theaterwissenschaft an der Universität Göttingen – und hatte bereits in den 1920er-Jahren mit Koryphäen des Ausdruckstanzes gearbeitet, etwa mit Harald Kreutzberg oder Mary Wigman.
Impulse bezog er zudem von Bühnenneuerern wie Adolphe Appia oder dem Rhythmuspionier Émile Jaques-Dalcroze. Selbst ein choreografischer Freigeist wie Rudolf von Laban, der einst die chorischen Experimente auf dem Monte Verità angeleitet hatte, war 1936 darauf aus, den Auftakt im Berliner Olympiastadion in Szene zu setzen. Wie lassen sich solche Bezüge erklären?
Evelyn Annuß, Sie sind mit der unlängst publizierten Studie «Volksschule des Theaters. Nationalsozialistische Massenspiele» habilitiert worden. Wie sind die Verbindungen zwischen historischer Avantgarde – speziell im Tanzfeld – und nationalsozialistischer Formgestaltung beschaffen? Unsere Vorstellung vom Nazi-Spektakel als ...
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Tanz Dezember 2019
Rubrik: Traditionen, Seite 50
von Stefan Hölscher
Normale Lehrer in irgendeiner Brennpunktschule wären fassungslos über so viel stille Ehrfurcht im Unterricht: In der Stuttgarter John-Cranko-Schule gibt die 80-jährige Marina Vasilieva eine Masterclass, vor dem Spiegel sitzt fast der komplette Lehrkörper und schaut zu, die Mädchen der beiden Akademieklassen kleben an den sparsamen Bewegungen und den leisen Worten,...
2019 haben wir uns richtig in Stellung gebracht: für die Vielen, gegen die Anderen. Ganz Europa müsse endlich Position beziehen, gegen China,- Trump und den Brexit. Wir sollen mehr Haltung annehmen: auf jeden Fall gegenüber Russland, Syrien, Iran und natürlich auch das Unmögliche wagen: das Klima retten, bestens dadurch, dass wir öfter in der Heimat bleiben. Die...
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