Fe Reichelt; Foto: Claudia Heland
Einatmen und Entdecken
92 Jahre alt ist Fe Reichelt, aber sie wirkt -energiegeladen und wach ohne jede Einschränkung. Für das Gespräch hat die Tänzerin und Tanztherapeutin in ihre Wohnung nahe dem Berliner Nollendorfplatz eingeladen. Vorne liegt die belebte Straße mit ihren Imbissbuden und Cafés, Dönerduft zieht bis hinauf in den 4. Stock. Nach hinten blickt man in Baumkronen. Fotos im Flur erinnern an die Familie, über einem Stapel ihrer Bücher hat Fe Reichelt von ihren Enkeln gebastelte Papierdrachen aufgehängt.
Am Küchentisch erzählt sie zweieinhalb Stunden lang aus ihrem Leben: von ihrer Lehrerin Mary Wigman, den Kindern, den Neuanfängen und privaten Umwegen, die stets zu «Entdeckungen» führten, wie sie neue therapeutische Ideen nennt.
Frau Reichelt, was beschäftigt Sie gerade? Ich schreibe ein Buch fertig, über die Yin-Yang-Atmung. Im Wohnzimmer liegen die Notizen, vorhin hat mein Sohn Moritz mir noch Illustrationen geschickt. Er hilft mir sehr, genauso wie mein zweiter Sohn Nicolas und meine Tochter Maja. Es ist schön, wenn solche Hilfen da sind. Das Buch schreibe ich, weil ich wieder einmal etwas Neues entdeckt habe: Wenn ich von der Fußsohle her einatme, fließen Kraft und Energie sowohl nach ...
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Tanz Dezember 2017
Rubrik: Praxis, Seite 68
von Elena Philipp
Manchmal vermisst man das schon: die Horden wilder Männer in Jeans, die Weltenspektakel mit einer grandiosen Apotheose der Liebe am Schluss, die Clowns und die Dämonen, große Musik und große Philosophie, die rätselhaften Tanzgötter wie Jorge Donn. Heute verbiegen die Choreografen Körper bis zum Geht-nicht-mehr oder verlieren sich in Fragmentierung. Kaum einer wagt...
Das Beste kommt mitunter zum Schluss – so auch bei Simone Sandronis «Romeo und Julia». Von Verzweiflung getrieben, jagt Noriko Nishidate über die Bühne, auf die sich minutenlang strömender Regen ergossen hat. Wie besessen durchpflügt die Tänzerin die riesige Wasserlache, vollführt waghalsige Sprünge und Drehungen auf dem rutschigen Untergrund, bis sie schließlich...
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