Zugvögel

sind abhängig von den Jahreszeiten. Trotzdem werden sie jeden Herbst zum Synonym für eine Freiheit, die Jirí Kylián eine ganze Generation lang am Nederlands Dans Theater feiert. Und zur 20-jährigen Unabhängigkeit des Bayerischen Staatsballetts.

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Freiheit so fühlt sich dieser Tanz an. Mit Macht treibt er voran, strömt auf die Bühne wie angesogen von der ersehnten Aussicht, taumelt weiter, schneller, schwindelerregend, immer näher an den endlosen Himmel heran. Leidenschaftlich werfen die Tänzer ihre Arme und Beine in die Luft, als wären es Flügel und sie könnten sich in die Luft schwingen und das Dach des ehrwürdigen Hauses aufsprengen, gemeinsam ausschwärmen, auf dem Wind ins Weite – vor sich alle Ewigkeit.

So viel Leidenschaft ist ansteckend. Und rührend.

Sie verhindert, dass wir uns in den altrosa Polstern auf unserer Lebenserfahrung ausruhen. Kunst ist nicht Leben. Illusionen zerplatzen. Kein Walzer währt ewig; dann gehen die Lichter aus. Warum also schwelgen? Aber ist Vorsicht wirklich besser als Nachgeben? Jirí Kylián mag ein Romantiker sein, naiv ist er nicht. Seiner hemmungslos jauchzenden Hymne an die Lebensfreude im rauschhaften Walzertakt Ravels geht eine lange Stunde elegische Abschiedsstimmung voran. Es heißt, die «Zugvögel» seien seine letzte große Bühnenproduktion. Will man den Humanisten und Eklektiker zwischen Ballett, Modern Dance, strenger Abstraktion und Volkstanzseele fassen: Vergänglichkeit ist sein ...

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Tanz Juni 2009
Rubrik: Repertoire, Seite 10
von Katja Werner

Vergriffen
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Leserbrief

Das Foto in ballet-tanz 5/09 auf S. 21 zeigt mit Sicherheit nicht Nijinsky als Goldenen Sklaven. Ich tippe auf Mikhail Fokine. Auch bei der Partnerin habe ich Zweifel. Sie sieht mir eher wie Vera Fokina aus. Fokine ist aber auch häufig der Partner von Karsavina gewesen. Da ich nicht annehme, dass es Ihnen an Sorgfalt mangelt, könnte sich die spezifische Ambiguität...

Blut ist kein Wasser

Jirí Kylián zieht in seinem abendfüllenden Event «Zugvögel» mit dem Bayerischen Staatsballett Bilanz über sein bisheriges künstlerisches Leben. Er versammelte dafür Künstler, die ihm Weggefährten sind, und die er wertschätzt. Es sind Zugvögel wie Kylián selbst, Theater- und Kunstnomaden, die, von überall her kommend, ihr Leben umherziehend verbringen. Auch Jirí...