skandal!
Vor einhundert Jahren, am 29. Mai, ging im eleganten Pariser Théâtre des Champs-Élysées der Vorhang auf für «Les sylphides» zur Musik von Frédéric Chopin. Was als Wohlfühlabend begann, endete anlässlich der Uraufführung von Strawinskys «Le sacre du printemps» damit, dass sich die ehrenwerten Zuschauer, darunter Maurice Ravel und Jean Cocteau, eins auf die Mütze gaben. Augenzeugen zufolge sorgte die Prügelei dafür, dass von der Musik nichts mehr zu hören war.
Dissidenten gab es selbst innerhalb der Kompanie der Ballets Russes: «Ich denke, das ganze Ding wurde von vier Idioten gemacht: Erstens von Herrn Strawinsky, der die Musik schrieb. Zweitens von Herrn Roerich, der Bühnenbild und Kostüme kreierte. Drittens von Herrn Nijinsky, der die Tänze komponiert hat. Und viertens von Herrn Diaghilew, der Geld dafür verschwendete.» So ist‘s überliefert von Serge Diaghilews berühmtem Ballettmeister Enrico Cecchetti.
Ein solcher Skandal gehört gut vorbereitet. Choreografie und Partitur waren nicht fertig, da schrieben Kritiker bereits Hymnen über ein unbekanntes Werk, das andere ebenso unbesehen mit aller Schärfe verurteilten. Eine bessere Reklame gibt es nicht. Damals ging es um die ...
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Tanz Mai 2013
Rubrik: editorial, Seite 1
von
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