Brief aus Johannesburg
In den wohlhabenden Vororten von Johannesburg fährt man gern den silbergrauen Hyundai SUV. Auf der anderen Seite der Stadt, in den Townships, bevorzugt man weiße Minibusse. Der Choreograf Sello Pesa fährt einen schwarzen VW-Käfer. Ein ungewöhnliches Auto für eine südafrikanische Großstadt. Doch der kleine Käfer führt auch ein ungewöhnliches Leben. Abends parkt er hinter hohen Sicherheitszäunen in den Northern Suburbs, wo Pesa mit seiner schottischstämmigen Frau lebt. Morgens quält er sich durch die verstopften Straßen von Soweto – dem Geburtsort des Choreografen.
Seit Jahren pendelt Sello Pesa zwischen den Welten. Zwischen Township und Vorort, Tanzstudio und Familienwohnsitz, arm und reich, schwarz und weiß.
Auch 15 Jahre nach dem offiziellen Ende der Apartheid beeinflusst die kulturelle Segregation in Johannesburg Tanzschaffende und ihr Publikum. Ein Großteil der weißen Minderheit meidet den Weg nach Soweto oder nach Downtown. Umgekehrt ist die Zahl jener Schwarzen, die an Kulturveranstaltungen in den reicheren Vororten teilnehmen, mehr als niedrig.
Zwar haben die Stars der heimischen Tanzszene – Sello Pesa, Boyzie Cekwana oder der kürzlich verstorbene George Khumalo – diese Hürde ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
- Alle tanz-Artikel online lesen
- Zugang zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von tanz
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Das könnte Sie auch interessieren:
Brief aus Cali
Brief aus Prag
Brief aus Haifa
Revolutionär war «La fille mal gardée» bei der Uraufführung 1789 in Bordeaux, zwei Wochen vor dem Sturm auf die Bastille, weil statt mythologischer Heroen bürgerliche Normalos auf der Bühne standen und im Liebeskampf die Armen für sich gewannen. In Cottbus raubt Dirk Neumann der alten Dame die pastorale Betulichkeit und holt sie mit den acht Tänzern seines...
Sie ist Anfang vierzig und sie hat vor einigen Monaten ihren Chefposten geschmissen. Neun Jahre lang war Henrietta Horn Leiterin des Folkwang Tanzstudios in Essen. Auf dem Papier hat sie sich den Job zwar mit Pina Bausch geteilt, aber die half dem FTS nur mit respektgebietendem Namen. Henrietta Horn wollte die Verantwortung für andere, jüngere Tänzer nicht mehr. Zu...
Um Lachgas handelt es sich nicht, obwohl den Tänzern zu Beginn von «Oxygen 8» sehr zum Lachen zumute ist. Unter dem Namen firmiert vielmehr ein «Synth-Action-Keyboard mit 25 anschlagdynamischen Tasten und USB-MIDI-Interface», das nach Auskunft des Herstellers «für ungeahnte Mobilität in der Musikszene» gesorgt hat. Dass man damit auch berauschende Wirkungen...
