Ballett-Touristen
Herr B. sagt die Feier zum 60. Geburtstag seiner Mutter ab, weil er nach Paris fliegen muss, um zum zwölften Mal «Apartment» von Mats Ek zu sehen. Entsetzen in der Verwandtschaft, und Unverständnis. Die Erklärung, dass Nicolas Le Riche tanzt, macht die Geschichte auch nicht besser.
«Wie konnte es so weit kommen? Wann hat die Sucht begonnen?», würde der Therapeut fragen, zu dem die Verwandten den Ballettomanen am liebsten schicken würden. Herr B.
würde auf der Couch liegen, einer Couch, die so aussieht wie die Couch aus der «Kameliendame», kurz asthmatisch hüsteln und zu erzählen beginnen. Bei der ersten Vorstellung war er noch ein Kind und alles ein Spiel. Ein Kartenspiel. John Crankos «Jeu de cartes» mit einer wunderbaren Herz-Dame und einem atemberaubenden Joker, spannender und mitreißender als jedes Kartenspiel, das B. gespielt hat. Er musste es wiedersehen, am nächsten Tag. Die Faszination war geweckt, auch für die Herz-Dame. In den nächsten Jahren wurde die Herz-Dame zur Julia, Olga und Giselle. Die Sucht, sie tanzen zu sehen, immer stärker. Er selbst war der Junge aus Crankos «Brouillards», der dem Mädchen, das auf der Parkbank sitzt, seine Liebe mit Händen und Füßen auf ...
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